27 Juni 2006

Berg- und Talfahrt des € und des R$

Brasilien übernimmt japanische Norm für das digitale Fernsehen

Am 29.6.2006 wird Brasilien die Übernahme der japanischen Digitalfernsehnorm offizialisieren, trotz der Anstrengungen der EU, das hochauflösende europäische System in Brasilien einzuführen. Ob dies die technisch beste Entscheidung ist? Hinter den Kulissen wird gemunkelt, dass die hiesigen TV-Betreiber Einfluß genommen hätten, um ihre Umstellungskosten möglichst niedrig zu halten. Wenn es einen Verlierer gibt, ist es wahrscheinlich der Verbraucher - neben den nicht zum Zuge gekommenden Lieferanten der EU. Aber wenigsten machen dann die Plasmabildschirme Sinn, die heute beim Analogfernsehen die Fußballweltmeisterschaft nicht immer zu einem Augenschmauß werden lassen - von den roten Karten etc. mal abgesehen.

Stahl in der Welt und in Brasilien

Der planetarische Konzentrationsprozeß ist nicht aufzuhalten, nachdem Mittal sich erfolgreich bei Arcelor durchgesetzt hat, übernahm Phelps Doge die kanadischen Inco und Falconbridge für 40 Mrd. US$ und wurde damit zum fünftgrößten Bergbaukonzern der Welt. Nicht zu vergessen Johnson & Johnson, die von Pfizer die Sparte für nicht verschreibungspflichtige Medikamente übernahmen. Damit wechselten ca. 110 Mrd. US$ den Eigentümer - in weniger als 100 Stunden! Bis Jahresende soll sogar ein M&A -Geschäftsvolumen in der Größenordnung von 3,5 Billionen US$ erreicht werden. Und in Brasilien werden Überlegungen laut, die Stahlerzeuger Usiminas, Cosipa, CSN und Açominas zusammenzulegen. Die Rangfolge beim Stahl sieht jetzt so aus:

Mio. to Stahl / a
109,7 Mittal + Arcelor (Holland + Luxemburg)
32,0 Nippon Steel (Japan)
30,5 Posco (Südkorea)
29,9 JFE (Japan)
23,8 Baosteel (China)
19,3 US Steel (USA)
18,4 Nucor (USA)
18,2 Corus Group (Grossbritannien)
17,5 Riva (Italien)
...
13,7 Gerdau (Brasilien)
...
8,7 Usiminas (Brasilien)
...
5,2 CSN (Brasilien)

Die private, von einem deutschen Auswanderer gegründete Gerdau nimmt immerhin den 14. Platz weltweit bei den Stahlkochern ein. Übrigens wird die neue Mittal - Arcelor bei Forbes nur den 40. Platz der weltgrößten Firmen einnehmen. In Brasilien gehören zu Arcelor die Firmen Companhia Siderúrgica Belgo -Mineira, Vega do Sul und CST - Companhia Siderúrgica de Tubarão.

22 Juni 2006

Das brasilianische Gesundheitssystem

Gestern war ich für einen deutschen Kunden auf der HOSPITALAR in São Paulo, einer Messe, die der deutschen MEDICA entspricht, nicht ganz so groß, aber immerhin mit 1000 Ausstellern, davon 290 ausländische aus 32 Ländern. Die Wichtigkeit dieser Messe leitet sich aus der des brasilianischen Gesundheitssystems ab, welches immerhin vom Wert her 6,5 % des BIP ausmacht. Umsatzmäßig sind dies 136 Mrd. R$ im Jahr. Das System beschäftigt 2 Millionen Menschen direkt und weitere 5 Millionen indirekt. Brasilien verfügt über 309.000 Ärzte, 125.000 "Gesundheitseinrichtungen", 6172 Hospitäler, von denen 58 % privat sind, 500.000 Krankenhausbetten und - man staune - 2.129 Krankenversicherungen!

Als ich die Hospitalar betrat, wähnte ich mich im alten Ägypten, denn - wie bei der Paßkontrolle für Ausländer am Flughafen - werden die Formulare für den Eintritt zur Messe in der Warteschlange (ich genoß sie 45 Minuten) auf korrektes Ausfüllen überprüft und einigen Besuchern wird beim Ausfüllen geholfen. Die überprüften Formulare werden gestempelt, damit der Messemitarbeiter, der die Daten in einen Computer eingibt, sie nicht prüfen muß. Und ausgefüllt werden muß u.a. die Steuernummer - fragen Sie mich nicht, warum.

Parkplatz:

Warteschlange:

Deutscher Pavillon:

Messebesucher:

16 Juni 2006

Brasilieninformationen aus erster Hand

Tätig werden in Brasilien möchten viele, aber wo und wie, das ist die Frage. In vielen Brasilienveranstaltungen wird nur oberflächlich auf sie eingegangen.

Das möchte die IHK Pfalz ändern und bietet ein ganztägiges Seminar für ernsthafte Interessenten an, auf dem ich einen halben Tag über die Branchen sprechen werde, die deutschen Unternehmen Geschäftsmöglichkeiten bieten. Der zweite Teil wird von Herrn Papoli-Barawati, Rechtsanwalt in Osnabrück, bestritten, der die rechtlichen Aspekte des Brasiliengeschäftes beleuchten wird. Wer sich für die Veranstaltung interessiert, sollte mit Frau Kim Gronemeier von der IHK Pfalz unter kim.gronemeier@pfalz.ihk24.de Verbindung aufnehmen. Wer darüber hinaus besondere Themenwünsche hat, kann mir diese mitteilen, noch ist Zeit, solche zu berücksichtigen. Meine E-Mailadresse ist karlheinz.naumann@eurolatinainternational.com.br oder für den, der kürzere Adressen bevorzugt, k.k.naumann@mac.com. Das Seminar findet am 28.9.2006 in Ludwigshafen statt.

Vom 24.11. bis 2.12.2006 findet eine Unternehmerreise nach Rio de Janeiro und São Paulo statt, die von der IHK Essen veranstaltet wird. Details nennt Ihnen Herr Slomke slomke@essen.ihk.de, bei dem Sie sich auch für die Reise anmelden können. Zur Vorbereitung auf diese Reise können Sie ein Seminar am 25.9.2006 in der IHK Essen besuchen, auf dem ich Hinweise für Brasilienbesucher geben und Fragen beantworten werde. Dieses nachmittägliche Seminar ersetzt nicht das Seminar der IHK Pfalz, Sie können also ruhig beide mit Gewinn besuchen!

Starker Real immer noch störend

Jedenfalls aus Sicht brasilianischer Exporteure. Wer bei uns die Autobahn benutzt, muß dafür auf den meisten schon Gebühren zahlen (keine Angst, wird in Deutschland auch über kurz oder lang für PKWs eingeführt) und kann dies, um das Warten an Mautkassen zu vermeiden, per Bankeinzug machen lassen. Dazu werden seine Fahrzeugdaten automatisch beim Vorbeifahren an einer Basisstation mittels einer terristischen Antenne erfaßt, was naturgemäß viel billiger als das deutsche LKW-Mautsystem ist, welches aber zugegebenermaßen den Vorteil bietet, daß man seine Geschwindigkeit nicht vermindern muß, um erfaßt zu werden.

Die vor 3 Jahren gegründete brasilianische Tochter des norwegischen Herstellers Q-Free solcher „tag - transponders“, wie die Geräte, die im Fahrzeug von innen an die Windschutzscheibe geklebt werden, genannt werden, hat im Vorjahr 400.000 solcher mit 140 Mitarbeitern in Campinas hergestellten Geräte nach Chile und Europa exportieren können, das waren 60 % der Gesamtproduktion. Dieses Jahr werden es wahrscheinlich nur 135.000 sein, weil sie aufgrund des starken Real einfach zu teuer geworden sind.

Diese Jahr wird auch die Vorjahresproduktion von 700.000 Einheiten nicht erreicht werden, die Firma rechnet mit nur 300.000, hat allerdings einen ersten Auftrag aus China bekommen und bemüht sich, außerhalb der Autobahnen weitere Basisstationen, z.B. auf Parkplätzen in Einkaufszentren und Flughäfen, auszurüsten. Ihr einziger Wettbewerbsvorteil gegenüber der vollautomatisierten Mutterfirma ist der billigere Lohn und die hohe Flexibilität der manuellen Montage, die eine schnelle Lieferung erlaubt, wenn manuelle Arbeiten wie das Aufkleben von Etiketten erledigt werden müssen. Wobei es verwunderlich ist, daß die Mutter in Norwegen Etiketten nicht automatisch aufkleben kann oder diese z.B. durch programmierbare Laserbeschriftung ersetzt.

Der Absatzrückgang ist übrigens ein typisches Beispiel für das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Ähnliches konnte man bei Glasfaserkabeln, wie sie volkstümlich genannt werden, beobachten. Um die großen brasilianischen Städte untereinander mit Ihnen zu verbinden, wurden etliche Fabriken zu ihrer Herstellung ins Leben gerufen, die nach Befriedigung des Bedarfes ohne Arbeit waren. Jetzt muß auf eine Preisreduzierung der Kabelfernsehanbieter gewartet werden, um den nächsten Nachfrageschub auszulösen. Falls sich der Satellitenempfang nicht durchsetzt!

15 Juni 2006

Muß Liebherr in Brasilien weiter expandieren?

Der Bergbau und die Erdöl- und Erdgasförderung wachsen unaufhörlich, was zu Kapazitätsengpässen in der Förderung führt. Liebherr z.B. baut in der Fabrik in Guaratinguetá seit knapp einem Jahr das größtes Baggermodell der Gruppe auch in Brasilien, kommt aber nicht nach. Für drei der fünf hergestellten Modelle gibt es Warteschlangen, die bis 2007 reichen. Die Firma denkt zwangsläufig über neue Kapazitäten nach.

Wer sich in diesen Boom einklinken möchte, hat gute Chancen. Der Bergbau wächst fünfmal mehr als der Durchschnitt der Industrie (BIP: +13,1 % gegenüber +2,4% in den letzten 12 Monaten) und ein Ende ist nicht abzusehen. So muß die Petrobrás früher als geplant den Abbau der Erdgasvorräte vor Santos in Angriff nehmen, dank der Verstaatlichung der bolivianischen Erdgas- und -ölindustrie. Allein die Cia. Vale do Rio Doce, der weltgrößte Eisenerzexporteur, plant Investitionen von 11,8 Mrd. R$ dieses Jahr. Weitere Daten sind bei der Câmara Setorial de Máquinas para Cimento e Mineração der Associação Brasileira da Indústria de Máquinas e Equipamentos erhältlich.

Verkauf übers Internet ein voller Erfolg in Brasilien

Nur in Brasilien leben ca. 10.000 Menschen davon, Produkte über das Portal MERCADO LIVRE zu kaufen und zu verkaufen. Der über dieses Portal erzielte Umsatz wächst jährlich um 40 %, wäre es ein "normaler" Supermarkt, gehörte dieser zu den 20 größten des Landes. 2006 soll der über das Portal erzielte Lateinamerikaumsatz 1,5 Mrd. R$ erreichen, wobei 80 % der Verkäufe Neuprodukte mit Festpreis betreffen. Mercado livre wurde 1999 nach dem Vorbild von eBay von einem Argentinier und sechs Kollegen, darunter auch einem Brasilianer, gegründet, die sich an der Universität von Stanford kennengelernt hatten. Das Portal selbst dürfte dieses Jahr mit Kommissionen mindestens 70 Mio. R$ einnehmen. Das große Vorbild eBay ist übrigens 2001 mit dem Erwerb eines Anteilspaketes von 19,5 % größter Einzelgesellschafter geworden.

Brasiliens Wirtschaftsentwicklung günstig für Investoren und den Präsidenten

Präsident Lula möchte gerne wiedergewählt werden, auch wenn er dies nicht öffentlich sagt. Und die aktuellen Wirtschaftsdaten unterstützen - verdientermaßen oder nicht - diese Wiederwahl:

Die Vorschau auf den Oktober (Wahltermin) zeigt mit 14,5 % den niedrigsten Leitzins seit 1996 und ein Wachstum von 4,1 %, die Inflation überschreitet die 0,5 % / Monat nicht, das Kreditvolumen für natürliche Personen weitet sich um 22 % aus, der Dollar liegt zum Jahresende bei 2,20 R$ und 2006 wird das Einkommen um 5,4 % steigen.

Allein die Erhöhung des Mindestlohnes von 300 auf 350 R$ im April injiziert 13,3 Mrd. R$ bis Jahresende in die Wirtschaft. Die Bauwirtschaft profitiert von Steuerentlastungen und Baukrediten in Höhe von 18,7 Mrd. R$, die Anpassung der Lohnsteuersätze um 8 % verringert das Steueraufkommen um 2,7 Mrd. R$ und füllt entsprechend die Taschen der Arbeitnehmer. Der Landwirtschaft wird durch Umschuldung und Neukredite geholfen, was die Regierung sich (und dem Steuerzahler) bis zu 13,4 Mrd. R$ kosten läßt. Diese Maßnahmen sind natürlich auch mit Blick auf den Wahltermin beschlossen worden, was das Leben des dann amtierenden Präsidenten nicht leichter werden läßt. Aber was solls, Lula kann nur einmal wiedergewählt werden, nach dem Motto: Nach mir die Sindflut.

Export nach Brasilien oder Fertigung im Lande?

Diese Fragen stellen sich viele Exportwillige, die ein Geschäft nicht wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit verlieren wollen. Kodak hat diese Frage für sich entschieden und wird die Digitalkamera Easyshare C360 in der Freihandelszone von Manaus von der Firma Jabil montieren lassen. Sie wird dann in Brasilien nur noch 900 R$ und nicht mehr 1.300 R$ kosten. Außer Brasilien läßt Kodak Digitalkameras nur noch in China bauen. Sony baut schon länger Digitalkameras in der Freihandelszone, die Firmen Elgin (Canon-Großhändler) und Flex wollen dies ebenfalls tun und haben bereits entsprechende genehmigte Projekte.

2005 wurden 2 Mio. Digitalkameras in Brasilien verkauft, doppelt so viel wie 2004. 2006 sollen es 3 Mio. Einheiten werden. Das Potential ist groß, 2004 hatten 34 % der brasilianischen Haushalte eine Analogkamera und nur 2,4 % eine digitale. 2007 soll der Anteil der Digitalkameras auf 19,5 % steigen, das wäre dann ein Bestand von 9,3 Mio. Digitalkameras. Plausibilitätskontrolle: (9,3 : 19,5) x 100 = 47,69 Mio. Haushalte bzw. knapp 4 Personen pro Haushalt, also richtig. 2005 wurden bereits mehr digitale als analoge Kameras verkauft. Während in der „ersten Welt“ die Verkäufe analog - digital sich die Waage halten, macht in Brasilien die Analogtechnik immer noch 70 % des Umsatzes von Kodak aus.

Kfz-Industrie baut Arbeitsplätze ab und meldet Produktionsrekord

Das paßt wie die berühmte Faust aufs Auge, per Mai 2006 wurden 1.080.600 Fahrzeuge produziert, 6,1 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum und gleichzeitig müssen tausende Mitarbeiter GM und VW in Brasilien verlassen. Zugelassen wurden 712.800 Fahrzeuge per Mai 2006, 9,4 % mehr als der per Mai 2005 - Wert. Exportiert wurden per Mai 2006 Fahrzeuge im Wert von 4.625.400 Mrd. US$, eine Steigerung von 8,6 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Als Grund für die Misere von VW und, in kleinerem Umfang von GM, ist der große Exportanteil bei fallendem Dollar und hohem local content sowie die wenig attraktiven Modelle, vor allem im Mittelklassebereich. Und Kritiker weisen immer wieder darauf hin, daß speziell VW zu viele Mitarbeiter im Vergleich zur Konkurrenz beschäftigt. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, in vielen Sitzungen saßen mir, der ich höchstens von einem Mitarbeiter begleitet wurde, manchmal mehr als 10 Vertreter meines damaligen Kunden gegenüber, wobei oft nur einer das Wort führte und der Rest eine schweigende Mehrheit bildete. Haben Sie schon mal eine E-Mail eines Kfz-Fabrikanten bekommen? Zählen Sie mal die Personen im Verteiler und dann fragen Sie sich, was dort gemacht wird, Autos entworfen, gebaut und verkauft oder Dokumente?

Aber auch die Japaner sollen ihr Fett abkriegen! Vor einigen Jahren kaufte ich meiner Frau einen japanischen Geländewagen und stellte dann zufällig fest, daß das identische Modell in Deutschland nicht soooo identisch war, denn es hatte Airbags, die im Exportmodell für Brasilien fehlten. Nach dem Motto, diese „Drittweltler“ können sich ruhig den Kopf anhauen! Aber sie haben gelernt, die Japaner, dieses Jahr kaufte ich einen neuen Wagen für meine Frau, diesmal serienmäßig auch in Brasilien mit Airbag. Der alte wurde übrigens gestohlen, das kommt auch vor, trotz Alarmanlage und "Satellitentracking" der Position des Fahrzeuges.

13 Juni 2006

Mexiko im Mercosur?

Mit Sicherheit nicht, bevor Venezuela im Juli 2006 offiziell Vollmitglied des Mercosur wird und dann auch nur als assoziiertes Mitglied wie Chile und Bolivien. Aber immerhin soll die Comissão Mista Bilateral Brasil - México, also die bilaterale gemischte Kommission beider Länder ca. im April 2007, wenn sowohl Brasilien als auch Mexiko von ihren neu gewählten Präsidenten regiert werden, wieder tagen und wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Mercosurbeitritt Mexikos behandeln.

Zwischenzeitlich ist Mexiko trotzdem schon der viertgrößte Käufer brasilianischer Produkte geworden, ermöglicht durch ein spezielles Handelsabkommen im Kfz-Bereich. Und bleibt vorerst beobachtendes Mercosurmitglied.

Ob die Mexikaner wissen, daß der Außenhandel Brasiliens durch einen jetzt schon 43 Tage währenden Streiks von Steuerbeamten bisher ca. 5 Mrd. R$ verloren hat? Vielleicht sollten sie sich den Mercosurbeitritt nochmal gut überlegen! 70 % der 7.700 Außenhandelssteuerkontrolleure (nur in unserer Sprache ist ein solches schönes Wort möglich, in Brasilien sagt man schnöde auditores fiscais da Receita Federal) streiken!

Inflation unter Ziel!

Erstmalig seit 2000 ist die Inflation wegen des Preisrückganges um 11,06 % von Alkohol unter dem Zentralbankziel angelangt, welches im Mai 2006 für den IPCA - Index einen Wert von kumuliert 4,5 % für die letzten 12 Monate aufweist. Der tatsächliche 12Monatswert beträgt nur 4,23 %.

Die kumulierte Inflation der jeweils letzten 12 Monate entwickelte sich so:

08 Juni 2006

Willkommen in Brasilien!

Deutschland begrüßt in diesen Tagen die Fußballwelt mit offenen Armen und der Reisende, der sich nach Brasilien aufmacht, erwartet wahrscheinlich ähnliches. Weit gefehlt, wer wie ich letzten Dienstag in São Paulo eintraf, in meinem Fall mit dem Wunsch, den Flughafen schnellstens zu verlassen, weil der Flug von Stuttgart nach Frankfurt wie der von Frankfurt nach São Paulo eine gehörige Verspätung hatte und ich des Reisens müde war, mußte erstmal in die Tretmühle. Diese bestand aus einer Schlange von Ausländern, d.h. Nichtbrasilianern, die ihren Paß und ein Einreiseformular vorzeigen bzw. letzteres bei der Rückkehr nach Brasilien abgeben mußten. Und diese Schlange teilte ich mit meinen Leidensgenossen, die einer Swiss- und einer Lufthansamaschine entstiegen waren. Mir waren etwas mehr als 60 Minuten in dieser Schlange vergönnt. Allerdings sind zwar alle gleich, aber drei deutsche Herren vor mir waren gleicher, sie wurden von einem vorher bestellten Bundespolizisten aus der Schlange geholt und an der Paßkontrolle vorbei in die Freiheit geleitet. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn wenigstens die im Lande wohnenden Ausländer eine besondere Schlange hätten, vielleicht sogar mit dem Privileg, auch nur den Paß und meinetwegen noch den brasilianischen Ausweis vorzuzeigen, aber ohne Stempel und Formular. Auf den Fotos sehen Sie die Schlange vom Dienstag, die an den anderen Wochentagen ähnlich aussieht und einen freundlichen Herren, der sich vor dem Passieren der Paßkontrolle ansieht, ob das Einreiseformular richtig ausgefüllt wurde. Für die Paßkontrolle waren zunächst zwei und dann drei Bundespolizisten im Einsatz - schade, daß die Chefs dieser Beamten sich kein Beispiel an der Paßkontrolle am Flughafen von Mexiko-Stadt nehmen, dort sind ca. 24 Schalter besetzt und ich habe noch nie länger als 10 Minuten in der Schlange gestanden. Übrigens, wenn man die Paßkontrolle hinter sich und sein Gepäck endlich auf dem Wagen hat, fängt alles wieder neu an, den jetzt muß man den Zoll passieren! Und das dauert je nach Andrang wieder bis zu einer Stunde, denn hier steht nur ein Zöllner, der entscheidet, ob man kontrolliert wird oder nicht.





Eigentlich gebührt dem, was ich jetzt schreibe, ein eigener Eintrag. Auf dem Flug nach Deutschland am 26. Mai las ich den Spiegel, der ein Bild vom normalen Feierabendverkehr São Paulos brachte mit der sinngemäßen Unterschrift, hier könne man die Einwohner von São Paulo sehen, wie sie vor der unkontrollierten Kriminalität fliehen. So einen Blödsinn über Brasilien habe ich selten gelesen. Sonstige Kommentare erübrigen sich.