27 Dezember 2007

2,415 Millionen Neuzulassungen, Neuwagenverkauf 2007 auf Rekordhöhe

Per 25.12.2007 sind 2,415 Millionen neue Fahrzeuge im Inland verkauft und zugelassen worden. 118.200 davon waren LKWs und Omnibusse, der Rest PKWs und Lieferwagen. Das sind immerhin 25 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei Motorrädern betrug die Steigerung sogar 40 %, bis 25.12.2007 waren es 1,675 Millionen.

Brasilien hat mehr als 5.000 Städte und Gemeinden, aber die Hälfte der Neuzulassungen bei Autos konzentrierte sich auf nur 20 davon, mit São Paulo an der Spitze. 15 dieser Städte sind Hauptstädte, hier die Liste:

% aller 
Neuzu-
lassungen

13,58 São Paulo
5,40 Belo Horizonte
4,89 Curitiba
4,78 Rio de Janeiro
3,89 Brasília
2,19 Salvador
1,80 Goiânia
1,77 Porto Alegre
1,61 Recife
1,60 Fortaleza
1,54 Campinas
1,11 São Bernado do Campo
1,02 Manaus
1,01 São Luis
0,82 Belém
0,82 Florianópolis
0,82 Santo André
0,82 Riberão Preto
0,75 Natal
0,74 Santos

Im Bundesstaat São Paulo wurden 33,27 % aller Neuzulassungen getätigt, dann kommen Minas Gerais mit 10,58 und Paraná mit 8,67 %. Jetzt wissen Sie, wo die Musik spielt und wo Sie Verkehrsstauungen zu erwarten haben.

PS: Ich wurde nach einer Quelle für Kfz-Statistiken gefragt, hier ist sie: http://anfavea.com.br/anuario2007/Cap00_2007.pdf

2,415 Millionen Neuzulassungen, Neuwagenverkauf 2007 auf Rekordhöhe

Per 25.12.2007 sind 2,415 Millionen neue Fahrzeuge im Inland verkauft und zugelassen worden. 118.200 davon waren LKWs und Omnibusse, der Rest PKWs und Lieferwagen. Das sind immerhin 25 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei Motorrädern betrug die Steigerung sogar 40 %, bis 25.12.2007 waren es 1,675 Millionen.

Brasilien hat mehr als 5.000 Städte und Gemeinden, aber die Hälfte der Neuzulassungen bei Autos konzentrierte sich auf nur 20 davon, mit São Paulo an der Spitze. 15 dieser Städte sind Hauptstädte, hier die Liste:

% aller 
Neuzu-
lassungen

13,58 São Paulo
5,40 Belo Horizonte
4,89 Curitiba
4,78 Rio de Janeiro
3,89 Brasília
2,19 Salvador
1,80 Goiânia
1,77 Porto Alegre
1,61 Recife
1,60 Fortaleza
1,54 Campinas
1,11 São Bernado do Campo
1,02 Manaus
1,01 São Luis
0,82 Belém
0,82 Florianópolis
0,82 Santo André
0,82 Riberão Preto
0,75 Natal
0,74 Santos

Im Bundesstaat São Paulo wurden 33,27 % aller Neuzulassungen getätigt, dann kommen Minas Gerais mit 10,58 und Paraná mit 8,67 %. Jetzt wissen Sie, wo die Musik spielt und wo Sie Verkehrsstauungen zu erwarten haben.

26 Dezember 2007

Brand in der Poliklinik von São Paulo

Ausgerechnet zu Weihnachten mußte es passieren und durch diesen Brand, der gestern ausbrach und von 42 Feuerwehren drei Stunden lang bekämpft wurde, werden heute bis zu viertausend Personen ohne ärztliche Behandlung bleiben, nur Notfälle können im betroffenen Klinikteil angenommen werden. Das Hospital das Clínicas ist der größte Krankenhauskomplex Lateinamerikas, hier werden 45.000 Operationen im Jahr vorgenommen! Von den 15.000 Mitarbeitern sind 3.449 Ärzte. Das Krankenhaus hat sechs Einheiten, 2.096 Betten und verfügt über ein Budget von 1,1 Mrd. R$. Nächstes Jahr wird eine Krebsklinik eröffnet, die mit 23 Stockwerken und 582 Betten wahrscheinlich die größte ihrer Art weltweit sein wird. 

22 Dezember 2007

Weihnachten in Brasilien, dem Land der Gegensätze

Straße vor weihnachtlich geschmücktem (hier unsichtbaren) Supermarkt in Riberão Preto:
Diesen schönen Weihnachtsmann malte meine Frau vor 20 Jahren:
Und diesen Weihnachtsgruß schickte unsere Tochter aus Deutschland, damit wir wissen, wie Schnee aussieht:
Aber es gibt auch Weihnachtsbäume bei uns, hier im Hotel Le Privilege in Riberão Preto:
Und der Weihnachtsmann (links) darf auch nicht fehlen:
Festlich geschmückte Bäckerei:
Und dieser Supermarkt kündigt an, daß man seine Weihnachtseinkäufe erst am 7.2.1008 bezahlen muß, ohne Zinsen:
Und das ist der Supermarkt, vor dem sich das oben gezeigte Loch auftut:
Aber so sieht es auch aus zu Weihnachten:
Denn wir haben ja Sommer:
In der Hand halte ich eine soeben gepflückte Apfelsine:
Diese Geiger geigen sonst im Philarmonieorchester von São Paulo:
Weihnachtsgänse sind hier (leider) unbekannt:

21 Dezember 2007

Brasilien hat keine 194 Millionen Einwohner...

... wie es oft publiziert wird. Es sind nur 183.987.291 Menschen, die im Zensus, der am 16. April 2007 begann, gezählt wurden. Mit Hilfe von PDAs und neunzigtausend Interviewern übrigens. Elftausendvierhundert Brasilianer sind danach über hundert Jahre alt. Und ich sage nur 184 Millionen, weil ich daran denke, welche Fläche diesen Menschen zur Verfügung steht. Da kann man als Europäer in Europa nur neidisch werden. Ich als Europäer in Brasilien habe allerdings auch nichts von dem vielen Platz, weil ich im überfüllten São Paulo lebe.

Wieder ein Beispiel für den schlechten (oder ungewohnten?) Umgang mit Zahlen, die heutige Pressenotiz über die Zahlen des IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) lautet übersetzt: "Ungefähr 180,7 Millionen Personen wurden befragt, was sechzig Prozent der geschätzten Bevölkerung entspricht..."  Also hat Brasilien über 301 Millionen Einwohner?

Natürlich nicht! Details können Sie in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT lesen, vorbestellbar bei Amazon (http://www.amazon.de/Wirtschaftsboom-Zuckerhut-Strategien-langfristigen-Brasilien/dp/3636015591):

Naumann, Karlheinz Kurt
Wirtschaftsboom am Zuckerhut - Strategien für langfristigen Erfolg in Brasilien
1. Auflage 2008
Redline - Wirtschaftsverlag Heidelberg
220 Seiten, Hardcover
Format 14,8 x 21,0 cm
ISBN 978-3-636-01559-4
Preis Euro 24,90




20 Dezember 2007

Geld kommt mit Rekordwerten rein, aber die Zahlungsbilanz wird 2008 defizitär

2008, meint die brasilianische Zentralbank jetzt, werden wir ein Zahlungsbilanzdefizit von 3,5 Mrd. US$ haben, nachdem es fünf Jahre lang ununterbrochen Zahlungsbilanzüberschüsse gab. Zuletzt 2007, mit 2,4 Mrd. US$.

Der Export soll 2008 von 160 im laufenden Jahr auf 172 Mrd. US$ steigen, die Importe von 121 auf 142 Mrd. US$. Damit verringert sich der Handelsbilanzüberschuß von heute 39 auf 30 Mrd. US$ nächstes Jahr.

Gewinn- und Dividendentransfer wird von der Zentralbank für 2008 mit 20 Mrd. US$ angenommen, 2007 waren es 20,9 Mrd. US$. Das Geld, welches aus dem Ausland als Investition nach Brasilien kommt, fließt stärker als zur Zeit der Privatisierung, 35 Mrd. US$ waren es 2007 und 2008 erwartet man immerhin 28 Mrd. US$. Die Privatisierung brachte 2000 den bisherigen Rekordwert von 32,8 Mrd. US$. In Titel und Aktien investierten Ausländer in diesem Jahr 38,5 Mrd. US$, 2008 schätzt man bei der Zentralbank, werden es 26 Mrd. US$ sein.

Wichtige Investitionen in Brasilien:

• Die VW - LKW - Sparte wird in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Reais in Resende im Bundesstaat Rio de Janeiro investieren, bis zu 30 % davon gehen in die Entwicklung neuer Fahrzeuge. VW will aus dieser Fabrik ein Entwicklungszentrum für emerging markets machen, also werden wir wohl bald VW - LKWs und auch Busse aus Brasilien in Rußland, Indien und China auf der Straße sehen. Der Rest der Investition wird für die Ausweitung der Produktionskapazität von heute 185 auf 210 Fahrzeuge pro Tag verwendet werden und für ein neues Logistikzentrum.
• Fiat steht dem nicht nach, in Betim wird die Fabrik für eine Kapazitätsausweitung von 700.000 auf 800.000 Fahrzeuge im Jahr vorbereitet und die Gruppenfirma Teksid wird eine neue Aluminiumgießerei bauen, deren Standort noch nicht feststeht. Insgesamt will Fiat in Brasilien fünf Milliarden Reais bis 2010 investieren.
• Petrobrás schießt den Vogel ab, 55 Milliarden Reais Investition in 2008 und eine auf 2008 vorgezogene Erschließung des Ölfeldes Tupi in der Bucht von Santos, wo dann ab Ende nächsten Jahres 40.000 barrels Erdöl täglich gefördert werden sollen. Übrigens sind 12 % der genannten Investitionssumme für Standorte außerhalb Brasiliens vorgesehen.
• Zum Schluß noch die Meldung, daß die Regierung mit der Versteigerung der 3G - Konzessionen für die Mobiltelefonie in zwei Tagen 5,148 Mrd. R$ eingenommen hat, eine Investition unserer Telefongesellschaften.

19 Dezember 2007

Wechselkursentwicklung € - R$



Die reichsten Städte Brasiliens

Alle Werte von 2005 und in R$ 
(Umrechnungskurs z.Z. 1 € = 2,60 R$)

BIP - Summe
São Paulo 263.177.148.000
Rio de Janeiro 118.979.752.000
Brasília  80.516.682.000
Curitiba 29.821.203.000
Belo Horizonte 28.386.694.000

BIP pro Kopf
Cascalho 289.838
Araporã 223.027
São Francisco do Conde 211.601
Triunfo 193.347
Porto Real 174.695

PIB Landwirtschaft + Viehzucht
Campo Verde 735.118.000
São Desidério 559.299.000
Sapezal 558.529.000
Primavera do Leste 466.430.000
Diamantino 445.634.000

PIB Industrie
São Paulo 52.654.368.000
Rio de Janeiro 13.678.937.000
Campos dos Goytacazes 12.954.886.000
Manaus 11.307.489.000
Guarulhos 7.723.755.000

PIB Dienstleistungen
São Paulo 165.021.435.000
Rio de Janeiro 77.666.123.000
Brasília 65.732.732.000
Porto Alegre 19.889.809.000
Belo Horizonte 19.363.306.000

Schade, daß man São Paulo und Campo Verde nicht in einer "Flurbereinigung" verschmelzen kann! Diese Kombination wäre unschlagbar. Die Zahlen der jeweils ersten hundert Städte finden Sie in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT, welches ab April im Buchhandel ist und bereits bei Amazon vorbestellt werden kann.

Wo bin ich denn?

An Sau Paulo und San Paolo habe ich mich schon gewöhnt, aber jetzt sogar dies:
Ob hier Freud mitgespielt hat? Dabei ist es doch ganz einfach: SÃO PAULO!

Brasilien erobert 6. Platz auf der Welt-BIP-Rangliste

Und in Deutschland fällt der Geschäftsklimaindex im Dezember von 104,2 auf 103 Punkte und das HWWI prognostiziert ein BIP-Wachstum von 1,7 % für 2008. Trübe Aussichten für mein Vaterland. Zur selben Zeit freut sich Brasilien, nicht nur über die Sonne, sondern auch über ein erwartetes BIP-Wachstum von 5 % nächstes Jahr und über einen 3%-Anteil am Welt-BIP. DIe Weltbank hat gerade eine neue Rangliste auf der Basis der Werte von 2005 publiziert, wobei als Kriterium die Kauftkraftparität der jeweiligen Landeswährung zum Dollars benutzt wurde, nicht die zum Wechselkurs umgerechneten Werte. Mit diesem Kriterium also sieht die Welt so aus:

Anteil (%) am Welt-BIP Land
23  USA
10 China
Japan
5 Deutschland
Indien
3 Großbritannien, Frankreich, Rußland, Italien, Brasilien
2 Spanien, Mexiko

Natürlich ist ein Trick dabei, denn die Brasilianer waren großzügig beim Abrunden und vergaßen, deutlich darauf hinzuweisen, daß auf dem Podest des sechsten Platzes ziemliches Gedränge herrscht, weil sich fünf Länder auf ihm drängen. Die, wenn man den BIP-Anteil nicht auf drei Prozent abrundet, genau die Reihenfolge einnehmen, die ich in der Tabelle angab, d.h. Brasilien steht in Wirklichkeit auf dem zehnten Platz. Aber, immerhin! 

Die ersten fünf Länder, also USA, China, Japan, Deutschland und Indien, repräsentieren die Hälfte der Weltwirtschaft! Und Brasilien die Hälfte der Wirtschaft Südamerikas!

18 Dezember 2007

Ausländische Touristen in Brasilien

sind im Mittel nach einer Mitteilung des Tourismusministeriums zwischen 32 und 50 Jahre alt, haben eine Universitätsausbildung genossen und 66 % waren schon mehrmals in unserem schönen Land. Sie bleiben 18 bis 19 Tage und geben pro Tag 92 Dollar aus (2005: 89 Dollar). Sie sollen sogar mit der Infrastruktur zufrieden sein. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Universität von São Paulo, die letztes Jahr 27.000 Touristen befragt hat. 2006 kamen fünf Millionen Touristen nach Brasilien und ließen 4,316 Mrd. Dollar im Lande.

Eine Plausibilitätskontrolle ergibt für die durchschnittlichen Ausgaben pro Tag folgenden Werte:
4.316 Millionen Dollar : 5 Mio. Touristen = 863 Dollar / Tourist
836 Dollar /Tourist : 18,5 Tage = 47 Dollar/Tag und Tourist
Schlussfolgerung: Ich kann nicht rechnen oder die USP kann es nicht oder das Ministerium hat einen falschen Wert veröffentlicht. Oder der die Meldung weitergebende Journalist hat eine Fehler begangen.

Die meisten Touristen kamen aus Europa, dann folgt Argentinien und dann kommen die USA. 96 % werden wiederkommen. 84 % sahen ihre Erwartungen voll erfüllt, 14 % zumindest teilweise, nur 2 % waren enttäuscht. 44 % kamen zur Erholung nach Brasilien, 28 % waren aus geschäftlichen Gründen hier, 24 % haben Freunde und Verwandte besucht, etwas über 1 % haben Kurse besucht.

Mit Vorbehalt, siehe die Plausibilitätsrechnung: Erholungssuchende gaben 75 Dollar und Geschäftsreisende 165 Dollar täglich aus.

Die beliebtesten Ziele für die Erholungssuchenden waren Rio de Janeiro vor Foz de Iguaçú, Florianópolis, Salvador und São Paulo. Die Geschäftsreisenden kamen vor allen nach São Paulo, gefolgt von Rio de Janeiro, Curitiba, Porto Alegre und
Belo Horizonte.

16 Dezember 2007

Immer mehr Brasilianer gehören zur Mittelschicht!

Datafolha hat eine Studie veröffentlicht, nach der mehr als 20 Mio. Brasilianer über 16 Jahre in den letzten fünf Jahren die Klasse D/E verlassen haben und zur Klasse C aufgestiegen sind. Alleine von Januar 2003 bis Juni 2006 waren es sechs Millionen. Damit ist die Klasse D/E, zu der vor fünf Jahren noch 46 % der Brasilianer gehörten, nur noch 26 % stark. Die Klasse C wuchs von 32 auf 49 %, damit ist ca. die Hälfte der Wahlberechtigten in dieser Gruppe. In Brasilien ist man mit 16 Jahren wahlberechtigt, das sind zur Zeit 125 Millionen Brasilianer. Bei der Klasse A/B änderte sich wenig, sie wuchs von 20 auf 23 %. Interessant noch, daß die größten Umwälzungen auf dem Lande stattfanden und am stärksten in den armen Regionen im Norden Brasiliens waren. Wichtig ist allein, die Mittelschicht wächst, eine sehr gute Nachricht!

Anmerkung: ich wurde gefragt, was es mit A,B,C et cetera auf sich hat. Diese Klasseneinteilung, beginnend mit A, der Oberschicht, wurde von der Werbebranche erfunden, um die der Werbung meist schutzlos ausgesetzte Bevölkerung Brasiliens nach Kaufkraft einzuteilen.

Mehr Rindviecher als Brasilianer

Aber noch noch nicht lange, denn 1994 hatten wir "nur" 158.000.000 Rinder, heute sind es bereits 205.000.000. Und Brasilianer gibt es zwischen 190.000.000 und 194.000.000, ganz genau weiß es keiner. 1994 waren die brasilianischen Rinder für 68 % der Methanemissionen des Landes in Höhe von 13 Millionen Tonnen verantwortlich. Und von der brasilianischen Bevölkerung ist etwas mehr als die Hälfte ökonomisch aktiv und verantwortlich für ein BIP von ca. 1,1 Billionen US$. Als PPP (Kaufkraftparität zum US$) wären es 1,6 Billionen Internationale Dollars. Und damit stehen wir beim BIP an zehnter Stelle der Länder dieser Erde und bei den Rindviechern nach Indien an zweiter, noch vor Argentinien und den USA. Dabei schwören viele Brasilianer, daß es in Argentinien mehr Rindviecher als in Brasilien gibt.

13 Dezember 2007

Schecksteuer CPMF wird 2008 nicht mehr erhoben

Die Regierung Lula hat heute kurz nach Mitternacht eine empfindliche Niederlage erlitten. Der Senat stimmte einer Verlängerung der Schecksteuer, die seit Jahren "vorübergehend" erhoben wird, um das Gesundheitssystem zu finanzieren, nicht zu. Diese Steuer, die als Nebeneffekt einen Plausibilitätsabgleich zwischen Einkommenssteuererklärung und Kontenbewegungen erlaubt, wurde von der Regierung Lula, als sie noch Opposition war, erbittert bekämpft. Genauso erbittert kämpfte man jetzt für den Erhalt, was im Parlament, wo die Regierung eine bequeme Mehrheit hat, auch gelang. Die Steuer ist wichtig für die Regierung, weil sie bisher die Mittel für alles, nur nicht den Gesundheitssektor, verwendet. Und es geht immerhin um vierzig Milliarden Real im Jahr, kein Pappenstiel. Jetzt ist sie (endlich) gezwungen, über Sparmaßnahmen nachzudenken, wird aber wohl Möglichkeiten suchen (und finden), dem Steuerzahler den künftig fehlenden Betrag auf irgendeine  Weise aus der Tasche zu ziehen.

PS vom 14.12.2007: Die Opposition gibt bereits zu verstehen, daß man die Schecksteuer 2008 eventuell wieder einführen könne, aber nur im Rahmen einer allgemeinen Steuerreform.

12 Dezember 2007

Neue BIP-Werte für Brasilien veröffentlicht

Frisch aus der Druckerpresse, die Vierteljahreswerte des brasilianischen Bruttoinlandsproduktes, jeweils Wachstum gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum:

3. Vierteljahr 2007: + 5,7 %
2. Vierteljahr 2007: + 5,6 %
1. Vierteljahr 2007: + 4,5 %
4. Vierteljahr 2006: + 5,1 %
3. Vierteljahr 2006: + 4,4 %
2. Vierteljahr 2006: + 1,5 %

Immerhin dreimal über 5 %, das spornt an! 

Das BIP im dritten Vierteljahr 2007 betrug absolut 645,2 Mrd. R$, davon waren allerdings nur 551,6 Mrd. R$ Wertschöpfung, der Rest von 93,6 Mrd. R$ geht à conto Steuern. Die Wachstumswerte nach Ursprung waren: 

Landwirtschaft (Ackerbau + Viehzucht) + 9,2 % (Erntezeit! Zucker + Weizen)
Industrie + 5,0 %
Dienstleistung + 4,8 %

Die bis September 2007 kumulierten Werte des laufenden Jahres ändern die oben gezeigte Reihenfolge:

Industrie + 5,1 %
Dienstleistung + 4,7 %
Landwirtschaft + 4,3 %
 
Mit solchen Werten kann man leben und es ist kein Wunder, daß die Zustimmung zum Wirken unseres Präsidenten Lula und seiner Regierung stetig steigt. Sie tat es gerade um 3 Prozentpunkte und erreichte mit 51 % Zustimmung den höchsten Wert von 2007.

Bauindustrie boomt in Brasilien

Aber trotzdem wohnen noch 1,6 Millionen (oder sogar 2 Millionen nach anderen Schätzungen)  Einwohner von São Paulo in Favellas, das entspricht der Einwohnerzahl von Curitiba! Die beträgt heute 1,78 Millionen Menschen.

Entlang unserer beiden Flüsse Pinheiros und Tietê direkt an den die sie begleitenden Stadtautobahnen exitieren neunzehn dieser Elendsviertel. In den insgesamt 1.573 kleinen und großen Favellas São Paulos "wohnen" vierhunderttausend Familien auf 30 Quadratkilometern. In São Paulo gibt es das größte Wohnungsdefizit in Brasilien, es fehlen 1,517 Millionen Wohnungen! Schuld daran ist die Auflösung der Banco Nacional de Habitação BNH, die den Wohngsbau bis 1986 finanzierte und für die lange keine Nachfolgeorganisation geschaffen wurde. Jetzt will die Bundesregierung zusätzliche drei Milliarden R$ aus den Mitteln des  Garantiefonds FGTS in das Wohnungsfinanzierungsprogramm pumpen.

In São Paulo wuchs die Anzahl der lancierten Wohngsbauten von Januar bis Oktober 2007 um 60,8 % und der Wohnungsverkauf um 26,2 %. Aber dabei handelt es sich um Objekte, die für die Einwohner der Favellas unerschwinglich sind.

Um die Preiserhöhungen beim Baumaterial zu bekämpfen, schließen sich übrigens immer mehr Baufirmen und Bauträger zu Genossenschaften zusammen, um eine bessere Preisverhandlungsposition aufgrund der gebündelten Nachfrage zu gewinnen. Diese bisher zehn bis zwölf  Genossenschaften beginnen auch schon, aus China (Porzellanartikel) und Europa (Zement) zu importieren.


Verkehrsradar in Brasilien wurde modernisiert

10 Dezember 2007

Arbeitssicherheit in Brasilien

Badelatschen am Strand sind ja durchaus in Ordnung, aber hier auf dem Dach?

Dieser Rohbau (grosses Einfamilienhaus, geschätzt 450 bis 500 Quadratmeter überbaute Fläche) brauchte hier bis zum Richtfest (was in Brasilien nicht gefeiert wird) ein Jahr, u.a. weil Ziegel einzeln abgeladen und dann (wenn man das  erste Stockwerk mauern will) nach oben geworfen, aufgefangen und abgelegt werden. Dabei gibt es hier LKWs mit eigenem Kran, sie werden nur nicht benutzt, Hilfsarbeiter sind billiger.

09 Dezember 2007

Unerwarteter Effekt der Dollarschwäche...

...die sich in dieser Graphik klar manifestiert
und deren Ende nach dem hier sichtbaren Kurvenverlauf nicht abzusehen ist, ist die "Massenflucht" von Brasilianern aus den USA. Anders kann man es schon nicht bezeichnen, wenn man sich ein Beispiel von vielen betrachtet. Da gibt es die Kleinstadt Itabirinha mit zehntausend Einwohnern, von denen schon gleichzeitig dreitausend vorübergehend in den USA arbeiteten und ihre sauer verdienten Dollars nachhause schickten. Das ist jetzt vorbei, denn beim Umtausch in den brasilianischen Real bleibt so wenig übrig, daß es sich für viele mit schlecht bezahlten  jobs schon nicht mehr lohnt, in der Ferne zu schuften. Deshalb sind bereits eintausend Bürger Itabirinhas enttäuscht in ihre Heimatstadt 110 km entfernt von Governador Valadares in Minas Gerais zurückgekehrt und investieren dort ihre mitgebrachten Dollar. Von den ca. zweihundert Firmen der Stadt wurden einhundert in den letzten drei Jahren gegründet und die Stadt hofft jetzt sogar auf einen asphaltierten  Zugang, der Fortschritt ist nicht mehr aufzuhalten. Und die Bauindustrie boomt, denn viele der Heimkehrer lassen sich Häuser im US-amerikanischen Stil bauen. Die vorgenannte Stadt Governador Valadares ist übrigens berühmt dafür, daß sehr viele ihrer Einwohner ihr Glück in den USA versuchten, die Mehrzahl als illegale Einwanderer, die in Brasilien Schlagzeilen machten und machen, wenn sie deportiert werden.

08 Dezember 2007

Grundstücksverkauf in Brasilien

Ich habe von einem Blogleser einer Anfrage erhalten, die ich leider nicht mehr finde, deshalb antworte ich an dieser Stelle. Das Thema ist eventuell auch für Dritte interessant, es geht nämlich darum, einen Anteil an einem Grundstück in Brasilien zu verkaufen, welches zwei deutsche Eigentümer hat, von denen einer spurlos verschwunden ist. Und der andere hat jetzt das Problem, dass er seinen Teil erst dem Miteigentümer anbieten muß, bevor er ihn an einen Dritten verkaufen kann.

Ich bin kein Anwalt (habe aber vier in der Familie) und kann / darf daher keine Rechtsauskunft geben, aber ein Blick in http://www.anwaltskanzlei-cvw.de/deutsch/faelle/Auslandsrecht/fall_a6.html ist vielleicht aufschlußreich. Ich würde das Angebot per Zeitungsanzeige in Brasilien und Deutschland machen, vielleicht ist damit dem Recht genüge getan? Aber eine endgültige Auskunft müßte ein Anwalt geben. 

Die Frage ist, wer kauft ein solches Grundstück mit einem verschwundenen Miteigentümer? Und kann man eventuell dessen Anteil ersitzen? 

Brasiliens Zahlungsbilanz rutscht (vorübergehend?) ins Negative

Im Oktober betrug das Defizit schon 42 Millionen Dollar, nicht viel, aber im November - die genauen Zahlen liegen noch nicht vor -- sind es wahrscheinlich schon 700 Millionen Dollar gewesen. Trotzdem rechnet der Finanzminister nicht mit Auswirkungen auf das Wachstum des Bruttoinlandproduktes, es wird seiner Meinung nach 2008 um fünf Prozent wachsen. Sollte der Export in die Knie gehen - siehe die Wechselkursentwicklung weiter unten der letzten fünf Jahre und der letzten vier Wochen, die dies nicht unwahrscheinlich erscheinen läßt - können es aber auch nur viereinhalb oder sogar vier Prozent werden. Aufs Jahr gesehen, sind wir noch im Positiven, der Zahlungsbilanzüberschuß 2007 wird auf zehn Milliarden Dollar geschätzt und die Prognose für 2008 lautet auf fünf Milliarden Dollar.


Wenn man sich diese Schwankungen innerhalb von vier Wochen ansieht, fragt man sich als brasilianischer Exporteur, was sicherer ist, eine Rechnungsstellung in Euro (oder in Dollar) mit 30, 60 oder 90 Tagen Zahlungsziel oder die Teilnahme an einer Pokerrunde? 

07 Dezember 2007

Wenn man Ärzte und Juristen braucht, sollte man vorsichtig sein...

...denn die Qualitätsunterschiede sind groß! Über die hohe Durchfallquote der Juristen in Brasilien beim vorgeschriebenem OAB - Examen habe ich schon früher berichtet, aber ohne bestandene Prüfung dürfen diese den Anwaltsberuf nicht ausüben. Das schützt den Mandanten, aber wer schützt den Patienten in Brasilien? Denn Ärzte unterziehen sich zwar auch einer Prüfung, aber wer durchfällt, darf trotzdem praktizieren!

In diesem Jahr betrug die Durchfallquote der Medizinstudenten im sechsten Ausbildungsjahr, die an der Prüfung des CREMESP - Conselho Regional de Medicina do Estado de São Paulo teilnahmen, satte 56 %! Die Prüfung fand das dritte Mal statt und die Teilnahme ist bisher freiwillig. Es hatten sich 833 Studenten von 2.300  bereiterklärt, an dem Experiment teilzunehmen. 2006 fielen 38 % durch und 2005 "nur" 31 %. Die Verschlechterung der Ergebnisse ist erschreckend und bezieht sich vor allem auf Gynäkologie, Geburtshilfe und Pediatrie, also immer auf die Schwächsten! 

Es gibt zur Zeit 31 Ausbildungsstätten für künftige Mediziner im Bundesstaat São Paulo, acht davon wurden zwischen 2002 und 2007 gegründet. Leider sagt die Studie nichts darüber, wo die Durchgefallenen studieren, aber es ist sehr wahrscheinlich, daß es große Qualitätsunterschiede zwischen den Ausbildungsstätten gibt.

06 Dezember 2007

Brasiliens Industrie mit Volldampf voraus!

Die Analytiker irrten mit 1,3 % mal wieder, die Industrieproduktion Brasiliens wuchs zweimal stärker als von ihnen vorausgesagt. Allein im Oktober 2007 betrug das Wachstum 2,8 %, das beste Ergebnis seit vier Jahren. Und im Vergleich zum Oktober 2006 waren es 10,3 % und von Januar bis Oktober des laufenden Jahres kumuliert 5,9 %.

Das ist wieder mal Grund für die Zentralbank, am Leitzins von 11,25 % / a festzuhalten, weil man schon eine Überhitzung fürchtet. Denn das Wachstum der industriellen Produktion wird zwar durch den Exportbedarf gestützt, hat aber als Nährboden die steigende Inlandsnachfrage. Diese wiederum steigt, weil das Kreditangebot größer geworden ist, die Bezüge von Angestellten und Arbeitern gestiegen sind und immer mehr Leute in Lohn und Brot stehen. 

Der Automobilsektor trug besonders zu dieser positiven Entwicklung bei, hier betrug das Wachstum dieses Jahr von September auf Oktober 7 %, per Oktober 14,3 % und beim Vergleich von Oktober 2007 zum Oktober 2006 sind es sogar 29,5 %. Aber auch Kühlschränke, Fernsehapparate, Radios, Stereogeräte trugen ihr Scherflein zum Wachstum bei.

Besonders bemerkenwert ist die Tatsache, daß selbst vom Import gebeutelte Sektoren eine Erholung zeigen, z.B. sank die industrielle Produktion von Schuhen von Januar bis September 2007 um 4,6 %, wuchs aber im Oktober 2007 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 9,2 %. 

Unsere deutschen Maschinenbauer müssen aufpassen, im Oktober 2007 betrug das Industriewachstum bei Kapitalgütern gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat 26,8 %. Wenn man sich die Käufer der Industriegüter ansieht, merkt man große Unterschiede. Hier die Wachstumswerte nach Bestimmungsmarkt:

13,2 % Industrie
60,6 % Landwirtschaft
30,1 % Transport
52,6 % Energie
23,1 % Bauwirtschaft
20,2 % sonstiger Bedarf einschließlich Informatik und Telefonie

Diese Zahlen deuten auf eine starke Ausweitung der Investitionen hin - die Auslastung der installierten Kapazität beträgt zur Zeit 82,8 %. Und dazu kommt noch der Import an Kapitalgütern, der im Oktober 2007 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 39 % auf Dollarbasis gestiegen ist. Deshalb ist der Finanzminister Mantega auch optimistisch und glaubt an 6 % Industriewachstum für 2007. Und blickt beruhigt auf Devisenreserven von 179 Mrd. US$.

Konkretes Investitionsbeispiel, Gerdau investiert 400 Mio. US$ in ein Walzwerk für Grobbleche, ein Markt, der bisher von Usiminas dominiert wurde. Das Walzwerk wird die Produktion 2010 aufnehmen, in ihm werden 200 Arbeitsplätze geschaffen, die Kapazität wird 870.000 to/a betragen. 

Und den Beweis, daß einige brasilianische Unternehmen vorbildlich hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit sind, findet man im jährlichenBoston Consulting - Bericht über die hundert besten  Firmen (BCG 100) in schnell wachsenden Ländern, er enthält dreizehn brasilianische Firmen, nämlich Braskem, Coteminas, Vale, Embraer, Gerdau Steel, Marcopolo, Natura, Perdigão, Petrobrás, Sadia, Votorantim, WEG und JBS Friboi.

Allerdings gibt es hier auch einen Wermutstropfen, China führt die Liste mit 41 Firmen an, gefolgt von Indien mit 20; Mexiko mit 7 und Rußland mit 6 kommen allerdings erst nach Brasilien.




Nazis in Brasilien, SS-Mitglieder schließen Blutpakt

Man glaubt es kaum, aber das Gefängnissystem São Paulos beherbergt in der Nähe Sorocabas in der Strafanstalt II von Guareí das COMANDO NAZISTA DA CRIMINALIDADE. Auch ohne Übersetzung wird klar, daß die Mitglieder bereits dort sind, wo sie hingehören. Gegründet wurde das CNC im August 2006 als Abspaltung oder schicker spin off der SS, was Seita Satânica bedeutet. Seita heißt Sekte und man kann nur hoffen, daß den Mitgliedern die schwarzen Kerzen nicht ausgehen. Und die Messer, denn wer Mitglied werden will, muß einen Blutpakt eingehen und sich einen kleinen Finger abschneiden. Man fragt sich, welche Vorteile die Mitgliedschaft bietet bei einer so hohen Eintrittsschwelle.

02 Dezember 2007

Die Fleischtöpfe Brasiliens

Hier sehen Sie unser Firmenpoolmitglied Achim Flesser von creative precision engineering beim Fotografieren einer Fleischportion,
die meinem Freund und Geschäftspartner Peter Paes heute beim Mittagessen in der Churrascaria FOGO DE CHÃO in São Paulo angeboten wurde:Herr Paes ist verständlicherweise nur schwer davon zu überzeugen, in Deutschland in einem "Steakhouse" einzukehren, die Portionen sind ihm dort zu klein! Herrn Flessers wahres Betätigungsfeld ist übrigens das Entwickeln und Optimieren von Produkten und Produktionsprozessen, vor allem aus den Bereichen Feinmechanik, Elektromechanik und Maschinenbau.

30 November 2007

Digitales Fernsehen in Brasilien!

In Brasilien ist wohl etwas übertrieben, aber am Sonntag (2.12.2007) beginnt das Zeitalter des digitalen Fernsehens in der Stadt São Paulo und bis Ende 2008 werden wahrscheinlich die digitalen TV - Sendungen in allen Landeshauptstädten und der Bundeshauptstadt zu empfangen sein. Für die Hersteller der zum Empfang des hochauflösenden Bildes und der glasklaren Töne nötigen Zusatzgeräte ein gutes Geschäft. Dem Konsumenten kann nur empfohlen werden, einige Monate zu warten, bis die Preise der Konverter sinken.

Bei Navigationsgeräten, die seit kurzem erlaubt sind und bis jetzt nur als Mobil-, also nicht als Einbaugerät verfügbar sind, fällt der Preis bereits. Am Anfang hat ein Gerät mit billigstem Plastikgehäuse umgerechnet fast 1.000 € gekostet, heute zahlt man 600 €, immer noch viel zu viel im Vergleich zu Deutschland. Aber unser Wetter ist besser und unsere Strände schöner!

28 November 2007

Anakonda

Im Mai 1992 habe ich in Marechal Cândido Rondon in Paraná, einer Stadt mit sehr vielen deutschsprechenden Einwohnern, einen Vortrag auf dem Internationalem Mercosulkongress gehalten. Gestern hat man hier eine Anakonda, 6 m lang und 200 kg schwer, gefangen, die von 7 Männern überwältigt wurde. Sehen Sie die Bilder, die von der Umweltpolizei von Paraná veröffentlicht wurden:




26 November 2007

Wechselkursentwicklung Euro - Real



Quelle: www.finanztreff.de

Fragen an Telefônica

Vor drei Wochen monierte ich, daß meine ausschließlich für ein Faxgerät verwendete Telefonlinie "tot" sei. Als ich nach meiner Rückkehr nach Brasilien heute die Situation überprüfte, hatte sich nichts geändert. Ein Mitarbeiter der Telefônica war zwar bei mir zuhause gewesen, aber hatte mir nur die unfrohe Botschaft hinterlassen, daß mein Faxgerät kaputt sei.

Neben dem Faxgerät steht ein Telefon, welches eine andere Linie verwendet und normalerweise ein Laptop, den ich auf meiner Deutschlandreise dabei hatte. Der schlaue Telefonspezialist hatte übrigens noch eine weitere Nachricht hinterlassen,  ohne den Laptop könne er nichts prüfen. Was ich zu bezweifeln wage, da ich einen Macintosh mit dem neuen Unixbetriebssystem Leopard verwende, an dem er sich bestimmt die Zähne ausgebissen hätte.

Hätte er einfach die Telefonkabel meines Telefons und meines Faxgerätes vertauscht, hätte wahrscheinlich selbst er bemerkt, daß dann das Telefon tot war und das Faxgerät auf einmal sehr lebendig. Hat er aber nicht gemacht.

Also haben wir heute wieder angerufen; daraufhin wurde meiner Sekretärin gesagt, das Problem sei (wie von mir bei meinem ersten Telefonat vermutet) eines der Zentrale und man würde sich kümmern. Das tat man auch und gründlich. Ohne mich oder meine Frau zu informieren, wurden Mitarbeiter (Spezialisten?) zu mir nach Hause in Marsch gesetzt und diese reparierten erfolgreich die Faxlinie. Nur jetzt funktioniert die normale Telefonlinie nicht mehr!

Übrigens funktioniert mein iBook ohne Probleme, ich habe auch WLAN-Internetzugang, deshalb weiß ich immer noch nicht, was der erste Spezialist mit meinem Laptop machen wollte.

Das ist auch Brasilien! Und das sei allen ins Stammbuch geschrieben, die meinen, hier müsse alles wie in Deutschland funktionieren, die Brasilianer seien doch alle so nett und das Land sei zwar exotisch, aber glücklicherweise doch sehr europäisch geprägt, ganz anders als China. Pustekuchen!

Fragen an Lufthansa

Gestern flog ich mit meiner Frau über München von Bremen nach São Paulo. Beim Einchecken in Bremen zeigte ich der Dame hinter dem Schalter unsere Pässe, wobei diese Probleme hatte, die Daten einzulesen; "das neue System funktioniere noch nicht zuverlässig" war ihre Erklärung. In München zeigte ich vor Abgabe unserer Bordingpässe einem japanischen englisch sprechenden Lufthansamitarbeiter die Bordkarten, auf denen "Doc ok", stand was diesen nicht hinderte, in gutem Englisch und mit schlechten Manieren ultimativ unsere Pässe zu verlangen, die er mir anschliessend nicht in die Hand gab, sondern auf sein Pult warf. Drei Meter dahinter gab ich die Bordkarten ab, bekam die Abschnitte mit dem Sitzplatzvermerk und mußte nach weiteren zwei Metern unsere Pässe erneut vorzeigen, diesmal dem Bundesgrenzschutz.

Fragen:

1. Kann LH auch deutschsprechende und gut erzogene Mitarbeiter für die Paßkontrolle verwenden?
2. Kann LH sich auf die Vorkontrolle der Pässe eines LH-Mitarbeiters verlassen?
3. Wenn nicht, sollte dann die Vorkontrolle nicht besser entfallen?
4. Könnte eventuell sogar der Bundesgrenzschutz von der LH als verläßlich bei der Paßkontrolle angesehen werden und könnte diese dann bei der Lufthansa völlig entfallen?

22 November 2007

Hart wie in China

Brasilien: Jetzt zieht es deutsche Mittelständler nach Brasilien. Doch der Geschäftsalltag im Land des tropischen Karnevals ist überhaupt nicht lustig.

Stefan Schmersal war bestens vorbereitet, um in Brasilien ein Unternehmen zu gründen. Seine Familie betrieb seit den Siebzigerjahren eine Schaltgerätefabrik in dem Amazonasstaat, er selbst hatte dort schon gearbeitet, spricht fließend Portugiesisch und kennt den Alltag im Land.

Dennoch war Schmersal überrascht, wie kompliziert und teuer es für ihn wurde, einen weiteren Betrieb in der Nähe von São Paulo zu gründen. Ein halbes Jahr dauerte der Kampf um Betriebsgenehmigung, Steuernummer und Eintrag ins Firmenregister. Allein die Lizenz zum Import von Produkten aus Deutschland ließ mehrere Monate auf sich warten. Viel öfter als erwartet musste sich Schmersal teurer und nervenaufreibender Hilfe von Anwälten und Beratern bedienen. Bis heute durfte er, aus Angst der Banken vor Geldwäsche, in Brasilien nicht einmal ein privates Bankkonto eröffnen.

„Lästig, aufwendig und zeitintensiv“, schimpft Schmersal. „Die Auflagen für ausländische Unternehmer sind hemmend und gelegentlich investitionsfeindlich.“ Dabei ist der 55-jährige Unternehmer aus dem nordrhein-westfälischen Löhne alles andere als ein ahnungsloser Provinzler. Seine Steute Schmersal Schaltgeräte GmbH & Co. KG betreibt schon seit Jahren Niederlassungen auch in den USA und China. Schmersal kann vergleichen und urteilt: „In Brasilien ist die Unternehmensgründung so schwierig wie in China.“

Solche Erfahrungen machen immer mehr deutsche Mittelständler. Denn vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zieht es derzeit in Scharen nach Brasilien. Zu den 25. Deutsch-Brasilianischen Unternehmertagen in dieser Woche im südbrasilianischen Blumenau kommen so viele Teilnehmer wie noch nie. Sogar Präsident Luis Inácio Lula da Silva wird die bisher eher seltenen Gäste aus Alemanha beehren. „Wir erleben eine eindeutige Trendwende“, sagt Rolf Dieter Acker, Präsident der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo. „Nach den Großunternehmen in den Siebzigerjahren und der Auto-Industrie in den Neunzigern kommen jetzt vor allem kleine Unternehmen aus Deutschland nach Brasilien.“

Die Einwanderer lockt der Wachstumsmarkt des südamerikanischen Riesen: Die zehntgrößte Volkswirtschaft erlebt den längsten Aufschwung seit 30 Jahren. Mit dem B für Brasilien gehört das Land mit Russland, Indien und China zu den sogenannten BRIC-Staaten, den wachstumsstärksten Regionen der Welt. Als Rohstofflieferanten haben es brasilianische Unternehmen wie Petrobras oder Companhia Vale do Rio Doce zu Weltruhm gebracht.

Davon wollen deutsche Dienstleister und Zulieferer profitieren. Vor allem in den Branchen Logistik, Energie, Umwelt, Bau und Landwirtschaft winkt das große Geschäft. Brasilien muss gewaltig in die Infrastruktur investieren, wo nach vielen Krisenjahren der Nachholbedarf immens ist. Auch die Fußballweltmeisterschaft 2014, soll einen zusätzlichen Schub bringen. „Viele Mittelständler sind enttäuscht vom Geschäft in China – und schauen sich nach neuen Märkten um“, sagt der Unternehmensberater Sönke Böge in São Paulo: „Brasilien ist da eine attraktive Alternative.“

Doch die Newcomer aus dem Mittelstand unterschätzen regelmäßig die Startschwierigkeiten. Die heutige Generation der Geschäftsführer und Eigentümer hat ihre Auslandserfahrungen vor allem in Osteuropa und Asien gesammelt. „Es fehlen Nachwuchsmanager mit Erfahrungen in Südamerika“, sagt Thomas Timm, Geschäftsführer der Handelskammer in São Paulo. Die meisten meinen irrtümlich, das vermeintlich westliche Brasilien einschätzen zu können. „Auch global erfahrene Mittelständler denken oft, Brasilien funktioniere mehr oder weniger wie Deutschland, weil alles europäisch aussieht“, sagt Andreas Sanden, Rechtsanwalt in São Paulo: „Doch das täuscht.“

Im brasilianischen Gesellschaftsrecht oder beim Verbraucherschutz etwa gleichen die Regeln zwar den deutschen, doch sie werden anders angewendet. Zwar ist auch in Deutschland der Umgang mit Steuern und Abgaben komplex – in Brasilien aber ist der Paragrafendschungel noch dichter. Nur der beauftragte Fatorista, der Steuerberechner, hat den Durchblick. Regelungen ändern sich extrem häufig und in kaum nachvollziehbarer Weise – aber das Finanzamt ahndet streng jede Nachlässigkeit. „Kleinste Fehler bei den Angaben können sich nach ein paar Jahren zu horrenden Strafen summieren“, sagt Wirtschaftsanwalt Hans Jürgen Holweg.

Auch das arbeitnehmerfreundliche Arbeitsrecht Brasiliens, das aus den Dreißigerjahren stammt, kann deutsche Mittelständler viel Geld kosten. Kontrolliert ein Unternehmen zum Beispiel die Arbeitszeiten seiner Angestellten nicht, drohen ihm auch Jahre später noch hohe Nachzahlungen an Mitarbeiter für angeblich geleistete Überstunden oder Wochenendarbeit. Auch Handelsvertreter werden im brasilianischen Arbeitsrecht begünstigt. So können deren Arbeitsverträge, wenn sie befristet sind, nicht verlängert werden, sondern gehen automatisch in unbefristete über, wenn sie nicht tatsächlich beendet wurden. Oder Mitarbeiter, die in guten Zeiten Boni erhalten haben, können in schlechten Zeiten die Zulagen einklagen, weil sie ein Recht dazu erlangt haben.

Überrascht stellen viele Neueinsteiger fest, dass Brasiliens Regeln alles andere als locker sind im Land des überbordenden Karnevals. „Hier geht es für ausländische Unternehmen nicht flexibler zu als in Deutschland“, sagt Anwalt Thomas Benes Felsberg, „deswegen sollten sie gar nicht erst versuchen, brasilianische Sitten zu übernehmen.“ Ausländische Firmen werden von den Behörden tendenziell genauer geprüft. Und die Gesetzgebung hat sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt. Die Umweltvorschriften etwa sind heute so streng wie in den USA. Auch wer eine Firma kauft und die Immobilie nicht sorgfältig durchcheckt, kann böse Überraschungen erleben: Er haftet für Altlasten, aber auch für anderes Fehlverhalten des Vorbesitzers in der Vergangenheit.

So sperrte die brasilianische Umweltbehörde kürzlich einem deutschen Zulieferer für die Bauindustrie sein frisch erworbenes Firmengelände. Die Sanierung würde mehr kosten als das Areal. Jetzt droht dem Unternehmen noch eine Umweltklage. „Deutsche Unternehmen müssen genau analysieren, ob sich ihr Geschäft noch lohnt, wenn sie alle gesetzlichen Auflagen einhalten“, empfiehlt Felsberg. Denn der brasilianische Konkurrent kann durch seine lokalen Kontakte eher darauf setzen, dass die Behörden ihn in Ruhe lassen.

Selbst wenn die Ansiedlung klappt, unterschätzen viele Neueinsteiger die Kosten, um in Brasilien ins Geschäft zu kommen. „Die wenigsten Mittelständler haben eine Vorstellung ihres längerfristigen Finanzbedarfs“, sagt der Unternehmensberater Karlheinz Naumann in São Paulo. Die Gründung einer Handelsvertretung verschlingt drei Monate. Um ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, vergeht ein halbes Jahr – so lautet eine Faustregel für Firmengründungen, die reibungslos über die Bühne gehen. Dafür müssen 40.000 bis 60.000 Euro veranschlagt werden. Noch länger dauert es, bis die ersten Aufträge eintreffen. Durststrecken über ein, zwei Jahre sind üblich. „Wer dann vom Mutterhaus keinen Kredit bekommt, hängt schnell durch“, sagt Anwalt Sanden. Denn deutsche Banken, die bei den ersten Finanzierungen helfen könnten, sind in Brasilien rar. Lokale Institute bieten Kredit nur gegen horrende Zinsen.

Auch die Besetzung von Führungspositionen misslingt oft. Deutsche und brasilianische Chefs unterscheiden sich in ihrer Mentalität. „Ein deutscher Mittelständler will selbst anpacken“, sagt Anwalt Rolf Petermann, „ein brasilianischer Unternehmer hält sich erst für erfolgreich, wenn andere für ihn arbeiten.“ „Wenn Ihnen ein blauäugiger Deutschbrasilianer gegenüber sitzt, glauben Sie zu wissen, wie der denkt“, warnt Personalberater Böge, „das ist aber falsch."

Kommt der vermeintliche Landsmann dann noch nett und verbindlich daher, ist die Gefahr umso größer, ihn zu unterschätzen. Gerade Mittelständler zögern, sich bei der Rekrutierung professioneller Hilfe zu bedienen. „Die vertrauen lieber auf den Rat eines Amigos, als einen Headhunter zu bezahlen“, sagt Anwalt Sanden, der sich öfters über die Personalentscheidungen seiner Klienten wundert. „Wenn der künftige Geschäftsführer länger über sein Dienstwagenmodell diskutiert als über Umsatzziele, dann stimmt was nicht.“

Trotz aller Schwierigkeiten lohnt sich für die meisten Mittelständler offenbar der teure Einstieg in Brasilien. „Der Markteintritt wird meist ein Drittel teurer als geplant“, sagt Anwalt Böge, „dafür machen sie in fünf Jahren doppelt so hohe Gewinne wie erwartet.“ Anwalt Felsberg empfiehlt den Newcomern deshalb, nicht nach dem ersten Rückschlag aufzugeben: „Am besten, Sie haben es nicht so eilig.“

[21.11.2007] alexander.busch@wiwo.de (São Paulo)

Meine Anmerkungen: Wenn Sie in die Überschrift klicken, kommen Sie zum Originalbeitrag in der Wirtschaftswoche. Was das Zitat angeht, nach dem ich 40.000 bis 60.000 € für reibungslose Firmengründungen nenne, möchte ich darauf hinweisen, dass die reine Firmengründung natürlich billiger ist. Aber bis Ihre neu gegründete Firma arbeitsfähig ist, also einschließlich erster Büroausstattung und -besetzung müssen Sie durchaus mit der genannten Summe rechnen. Alles andere wäre unrealistisch. Im übrigen wird von Herrn Busch genau das gesagt und zitiert, was ich auch in meinem im April 2008 erscheinenden Buch "Wirtschaftsboom am Zuckerhut" schreibe, nämlich dass es sich wirklich lohnt, nach Brasilien zu kommen, aber mit der entsprechenden Vorbereitung und einer fachmännischen landeskundigen Begleitung.

07 November 2007

Brasiliens Devisenreserven steigen

170,6 Mrd. US$ hat die Zentralbank bereits gehortet, alleine in den letzten drei Tagen kamen 3 Mrd. US$ dazu. Aber um Gas in Bolivien, Nigeria und Algerien zu kaufen, wird Brasilien diese Dollar auch benötigen. Große Unternehmen wie Bayer und Michelin stellen bereits ihre Produktion um, um wahlweise Gas oder Öl benutzen zu können. Denn sie wollen nicht auf die Gastanker, die 2008 und 2009 zum Einsatz kommen, warten, das wäre zu unsicher. 
Und wie soll man die Dollarreserven bewerten? Hier eine kleine Hilfe:

Real - Dollar - Kursentwicklung der letzten fünf Jahre:


Euro - Dollar - Kursentwicklung der letzten fünf Jahre:


Real - Dollar - Kursentwicklung der letzten zwölf Monate:


Euro - Dollar - Kursentwicklung der letzten zwölf Monate:


Wie man sieht, ist das Leben in Brasilien für Expatriates, die in Euro verdienen, nicht billiger geworden!

06 November 2007

Riesengewinne...aber bei den Banken!

Itaú hat den Vogel abgeschossen, in den ersten neun Monaten 2007 erzielte die Bank mit 6,444 Milliarden R$  mehr Gewinn als irgendeine börsennotierte  brasilianische Bank in den vergangenen zwanzig Jahren in zwölf Monaten! Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung von satten 113 %, herzlichen Glückwunsch! Die Kreditkunden kann man wahrscheinlich nicht beglückwünschen, denn deren Sollzinsen werden immer noch durch zweistellige Prozentzahlen ausgedrückt.

Der Dollar liegt bei 1,736 R$ wie im März 2000, lang' ist es her! Das Öl kratzt bereits die 100 Dollarmarke an; quo vadis, mundo?

05 November 2007

Brasilien - ein Land des Luxus?

Als Abnehmerland sicher, denn der Markt an Luxusartikeln beziffert sich in Brasilien auf 3,6 Milliarden US$ jährlich. 70 % davon werden in São Paulo abgesetzt! Zum Beispiel stehen auf der Warteliste für die Lotion LaPrairie 40 Brasilianer, die für eine Einheit 1.950 R$ ausgeben  wollen, das sind 780 €. Immerhin hat die Klasse A mehr Vertreter in Brasilien als manches europäisches Land!

Export der BRIC - Länder

Dies ist der Export 2000 und in Klammern 2006 in Milliarden US-Dollar:
  • Brasilien 55,1 (137,5)
  • Rußland 105,6 (304,5)
  • Indien 42,4 (120,2)
  • China 249,2 (969,1)
Brasiliens relative Position wird sich wahrscheinlich noch verschlechtern, durch den starken Real und durch die Ambitionen Chinas. China kaufte vor kurzem noch riesige Mengen Stahl im Ausland, heute exportiert das Land Stahl. Fertigwaren nehmen bei Brasilien nur 35 % des Exports ein, im Falle Indiens sind es 70 % und bei China schon 90 %. Rußlands Export ist stark im Erdöl- und Erdgasbereich und bei Diamanten. 

Innovation mit Hindernissen

In den USA arbeiten 80 % der dort lebenden Wissenschaftler in der Wirtschaft, in Brasilien sind es 16 %. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die Ergebnisse der Forschungsarbeit der brasilianischen Universitäten von den hiesigen Unternehmen genutzt würden, aber das ist nur zu einem kleinen Teil der Fall, weil Wirtschaft und Wissenschaft kaum zusammenarbeiten. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das vorhandene Potential wird nicht genügend genutzt. Dabei liegt Brasilien bei der Publikation wissenschaftlicher Schriften auf Platz 17 der Welt. Dies ist der Prozentanteil der privaten Aufwendungen für Forschung & Entwicklung am BIP laut einer OECD - Statistik:
  • 2,6 % Schweden
  • 2,3 % Japan
  • 1,9 % Südkorea
  • 1,7 % Deutschland
  • 1,7 % USA
  • 1,2 % Frankreich
  • 0,9 % Kanada
  • 0,8 % Grossbritannien
  • 0,7 % Australien
  • 0,7 % Irland
  • 0,6 % Spanien
  • 0,5 % Italien
  • 0,4 % Brasilien
  • 0,3 % Portugal
  • 0,1 % Mexiko
Brasilien hat also noch einen weiten Weg vor sich, allerdings entwickelte westliche Länder wie Italien ebenfalls.

04 November 2007

Frage an Macintosh-Benutzer wegen eines iCal-Problems

In der normalen Kalenderansicht steht korrekt "Samstag 3" und "Sonntag 4", aber in der Druckvorschau erscheint anstelle des Sonntages mit dem Datum 4.11. plötzlich nochmal der Sonnabend mit dem Datum des 3.11., ausgedruckt wird ebenfalls zweimal der Sonnabend:
Hat jemand unter den Lesern von Brasilien Aktuell, der auch einen Macintosh benutzt, eine Ahnung, wie man diesen Fehler beseitigt und was seine Ursache ist? Ich bekomme zwar in zwei Wochen den Leoparden und hoffe, dass nach der Installation der Defekt verschwunden ist, würde aber trotzdem gerne wissen, was der Panther falsch macht! Das Problem existiert übrigens sowohl auf meinem G3- als auch auf meinem G4-iBook.

03 November 2007

Brasiliens Wirtschaft steigert Gewinne

SERASA, eine brasilianische Kreditauskunftsfirma, hat die Situation von 9.700 Firmen anhand ihrer Bilanzen analysiert und festgestellt, daß deren Umsatzrentabilität einen Sprung nach oben gemacht hat. 2006 betrug der Mittelwert 5,5 %, im ersten Halbjahr 2007 aber schon 6,6 %. Wenn man sich die Situation der einzelnen Sektoren ansieht, kann man wichtige Unterschiede erkennen:

Industrie
Mittelwert 6,7 %
Stahlerzeuger 23,0  %
Papier & Zellulose 17,9 %
Chemie & Petrochemie 5,9 %

Dienstleistungen
Mittelwert 9,9 %
Elektroenergie 18,1 %
Festnetztelefonie 11,8 %
Transport 7,3 %

Handel
Mittelwert 2,0 %
Oberbekleidung 6,1 %
Fahrzeuge und Komponenten 2,2 %
Nahrungsmittel 1,6 %

Die Umsatzrentabilität des Mobiltelefonbereiches betrug übrigens nur sehr magere 0,3 %. Der Telefonsektor ist seit 1989 privatisiert. 

02 November 2007

Interlagos - São Paulo

Wie von Herrn Besser aus Madrid gewünscht, folgt ein Foto, welches meinen Blick aus dem Bürofenster zeigt, hier kann ich abends den Sonnenuntergang über dem Wasser erleben:



01 November 2007

Valparaíso

Ich habe immer geglaubt, mit meinem Büro in Interlagos mit Blick auf den Stausee Guarapiranga eine privilegierte Lage zu haben, aber mein Partner in Chile Malte Medo hat mich eines besseren belehrt, hier sehen Sie sein Büro:


Wenn Sie ihn zur Verbesserung Ihrer Produktion um Rat fragen möchten, dies ist seine E-Mailadresse: medo@medo-consulting.de

Der Euro steigt gegenüber dem Dollar, was aber den Real nicht beeindruckt

Euro - Real letzte drei Monate:


Dollar - Real letzte drei Monate:


Euro - Real letzte fünf Jahre:


Dollar - Real letzte fünf Jahre:

Diese Entwicklung sei all den Kunden ins Stammbuch geschrieben, die sich darüber wundern, daß sie heute in Euro mehr für Nebenkosten wie Hotel, Postversand, Warentransport, Taxi et cetera bezahlen müssen als vor einem Vierteljahr und dies zum Anlaß nehmen, diesbezügliche Rechnungen nur schleppend und murrend zu begleichen. Sie sollen sich damit trösten, daß ihre brasilianischen Kunden im Gegenzug mehr importieren können, weil der Import für sie jeden Tag billiger wird.

31 Oktober 2007

Boom mit gebremsten Schaum

Die  brasilianische Wirtschaft wächst und wächst und wächst? Nicht so, wie es sein könnte. Die Nachfrage ist da, im Erdölbereich, im Bergbau, aber auch in der Autoindustrie, bei unserem einzigen Flugzeugbauer, im Informatiksektor, im Einzelhandel und bei der Bekleidungsindustrie. Aber sie kann nicht befriedigt werden, denn es fehlt an ausgebildeten Mitarbeitern, was sich übrigens sogar im Agrobusiness bemerkbar macht, vor allem im Zucker - Alkohol - Bereich. 

Eine der ganz großen Elektromotorhersteller, die weit über Brasiliens Grenzen bekannte und weltweit agierende WEG, hat dieses Jahr schon dreitausendfünfhundert Mitarbeiter eingestellt, aber hat immer noch fünfhundert offene Stellen! Caterpillar und Volvo sind ebenfalls auf der Suche nach Fachkräften. Die Autoindustrie, die bereits im Dreischichtbetrieb arbeitet, griff deshalb schon auf ihre Rentner zurück. 

Der Engpaß liegt bei der Ausbildung und ist deshalb so schnell nicht zu beseitigen. Ein anderer Engpaß wurde vor zwei Wochen angekündigt. Petrobrás mußte die Auslieferung von Erdgas um siebzehn Prozent zurücknehmen, um die Versorgung der Thermokraftwerke nicht zu gefährden. Dafür ging den Tankstellen das Naturgas aus und die Fahrzeuge, die mit Gas betrieben werden, darunter viele Taxis, bildeten lange Schlangen vor den wenigen Tankstellen, wo man noch Gas tanken konnte. Im Bundesstaat Rio mußten Glas- und Chemiefabriken stillgelegt werden, darunter Bayer. Und Bolivien hat kein Geld für dringend nötige Investitionen, aber Petrobrás bzw. die Regierung Lula signalisiert schon, daß man trotz der Enteignung der Petrobrásstützpunkte wieder investieren wird. Bedingung ist natürlich, daß die Bolivianer sich an die neuen Verträge halten. Bei den alten Verträgen hat es jedenfalls nicht geklappt...

30 Oktober 2007

Wirtschaftsboom am Zuckerhut - ab April 2008 im Buchhandel!

Will Brasilien Devisen???

Anscheinend nicht, denn wenn eine Firma ihrer nicht operativen Tochter Geld nach Brasilien überweisen will, weil mangels Guthaben sonst das Firmenkonto geschlossen wird, gibt es Hindernisse. Das Geld kommt zwar an, aber die Bank fragt vor dem Zwangsumtausch, wofür es bestimmt ist. Und da gibt es nur wenige Möglichkeiten, zu denen das einfache Zurverfügungstellen eines Betrages nicht gehört. Da muss es schon eine Kapitalerhöhung oder ein Darlehen, ein Dienstleistungshonorar oder eine Spesenerstattung sein. Und das Geld landet in Landeswährung nur auf dem Firmenkonto, wenn alle erforderlichen Dokumente zum Nachweis der Klassifizierung der Überweisung eingereicht werden. Unabhängig von der Höhe der Überweisung!

Und wie sieht es bei Kontoeröffnungen für Ausländer aus? Wenn ein frisch eingewanderter Mitarbeiter einer Firma ein privates Bankkonto aufmachen möchte, um sein von einer brasilianischen Firma in Landeswährung gezahltes Gehalt zu bekommen, verlangt die Bank eine Kopie seiner Gehaltsabrechnung (neben seiner Steuernummer et cetera). Und wenn es sich um das erste Gehalt handelt und die Gehaltsabrechnung noch nicht vorliegt, kann das Konto eben nicht eröffnet werden.

Und wenn ein frisch eingewanderter Mitarbeiter nur ein befristetes Visum hat, eröffnen manche Banken überhaupt kein Konto für ihn. Es sei denn, er versucht es bei einer anderen Filiale der selben Bank. dann klappt es (manchmal).

29 Oktober 2007

Der Höhenflug des R$ ist kaum zu bremsen...

...oder ist es eher der Sinkflug des US$? Nachdem der Leitzins in den USA offensichtlich reduziert werden wird, machen sich die Auswirkungen schon im voraus bemerkbar, der Kurs (câmbio comercial) war heute 1 US$ = 1,756 R$. Man ist es schon leid, jeden Tag zu sagen, wann der Kurs das letzte Mal so tief lag. Wer es wissen will, es ist siebeneinhalb Jahre her (April 2000). Dafür steigt der IBOVESPA - Index, heute auf 65.336 Punkte. Wohl dem, der Geld zum Anlegen hat!

28 Oktober 2007

Neugestaltete Eurolatina-Homepage

Wenn Sie Zeit und Lust haben, klicken Sie bitte in die Überschrift. Sie kommen dann zur Eurolatina - Homepage. Der Webauftritt wurde von mir gestrafft und übersichtlicher gestaltet. Der deutsche Teil ist vorläufig abgeschlossen, der portugiesische teilweise, am spanischen und englischen arbeite ich noch.

27 Oktober 2007

FOKUS LATEINAMERIKA

Wenn Sie in die Überschrift klicken, kommen Sie zum FOKUS LATEINAMERIKA der DEUTSCHEN WELLE. In der nächsten Woche können Sie in diesem Radioprogramm ein Interview mit mir hören. Das Thema sind die unerwarteten Probleme und Fallstricke, die einen deutschen Unternehmer in Brasilien erwarten mit Hinweisen, wie diese von den Neuankömmlingen im Lande vermieden werden können. Wobei manchmal auch die Alteingesessenen betroffen sind.

Die Programmbeiträge können übrigens auch heruntergeladen werden, wer auf seinem Rechner iTunes hat, kann diese Aufgabe getrost dem Programm überlassen, hier ist der Vorgang über ein kostenloses Abonnement automatisiert.

SENDERHINWEIS:
Kompakte Hintergrundinformationen aus Lateinamerika. Das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Kritische Analysen, lebendige Reportagen, exemplarische Alltagsgeschichten. Mo. bis Fr., um 22.15 Uhr MEZ.

Eurolatina

Hier sehen Sie die geographische Verteilung der 5.141 Besucher, die in den letzten acht Monaten auf der Eurolatina - Homepage waren:

Höhen und Tiefen in Brasilien

Diese Woche hat einige Leute glücklich gemacht, andere eher weniger. Zu den Glücklichen gehören die Verkäufer und die Käufer der BOVESPA-Aktien, denn die Börsenholding ging gestern an die Börse und erlöste 5,1 Mrd. R$ für ihre Aktien. Diese stiegen daraufhin um 52 %. Insgesamt wurden gestern 10,1 Mrd. R$ an der BOVESPA umgesetzt, ein neuer Rekord. Auch der Börsenindex schaffte mit 64.275 Punkten einen Rekord und da wollte der US$ nicht nachstehen und sackte auf den tiefsten Wert seit April 2000 ab,  1,769 R$ war er nur noch wert. Es steht zu befürchten (oder zu hoffen, hängt vom Blickwinkel ab), daß er noch tiefer sinkt, wenn die BOVESPA - Aktien bezahlt werden und dazu US$ ins Land strömen, denn 80 % der Aktien wurden im Ausland geordert. 

Weniger glücklich waren gestern sicher die neun Hauptbeschuldigten im Fall Cisco, die verdächtigt werden, im großen Umfang über Scheinfirmen - laranjas, also Apfelsinen sagt man dazu bei uns -  unterfakturierte Produkte importiert zu haben, deren Untersuchungshaft angeordnet wurde. 

Nicht glücklich, aber auch nicht unglücklich war ein ehemaliger Kunde von mir, der einen nach Brasilien verkauften Stanz- und Biegeautomaten auf der CORTE & CONFORMAÇÃO ausstellen wollte. Wie er mir vorgestern erzählte, konnten er und weitere elf Aussteller diesem Namen nicht gerecht werden, denn die auszustellenden Maschinen waren im Zoll und da blieben sie auch vorläufig. Aber wenigstens konnten etliche Maschinen auf der Stanz- und Umformmesse trotz des Handicaps verkauft werden. Ein Hinweis in diesem Zusammenhang auf die lange Zeit, die man in bestimmten Sektoren braucht, um Exporterfolg zu verzeichnen. Um obige Maschine zu verkaufen, waren anderthalb Jahre Einsatz des lokalen Verkäufers nötig! Aber es hat sich gelohnt und der von mir aufgebaute Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen hat ein weiteres zufriedenes ex - Mitglied.

22 Oktober 2007

Eurokurs zum Real vom 19.10.2007

kommerzieller Kurs: 
2,5421 Kauf / 2,5427 Verkauf

Tourismuskurs:
2,4500 Kauf / 2,6830 Verkauf BANCO DO BRASIL
2,5200 Kauf / 2,7100 Verkauf COTACÃO SA

Der gespaltene Kurs ist zwar angeblich schon längst abgeschafft, lebt aber immer noch!

Brasiliens Außenhandel

Der höchste Einfuhrzoll beträgt in Brasilien 35 %, der mittlere ist 12,5 %. Man überlegt, den Höchstwert zu halbieren, dann würden 39 % der tatsächlich erhobenen Zölle niedriger. Aber bis dahin ist es noch weit und ohne Zugeständnisse seiner Handelspartner im Agrarbereich wird Brasilien ebenfalls starr bleiben.

Dabei schwimmen unserem Land die Felle weg, denn alleine 2006 hat Brasilien USA - Exporte im Wert von etwas mehr als einer Milliarde US$ an China verloren. Diese Aufzählung spricht Bände (BR = Brasilien, C = China, Export in Mrd. US$ in die USA):
  • 2000: BR 13,7 / C 99,6
  • 2001: BR 14,4 / C 102,1
  • 2002: BR 15,6 / C 124,8
  • 2003: BR 17,7 / C 151,6
  • 2004: BR 21,1 / C 196,2
  • 2005: BR 24,3 / C 242,6
  • 2006: BR 26,2 / C 287,1
Die brasilianischen Verluste wiegen schwer und beeinträchtigen etliche Wirtschaftszweige:
  • 305,5 Mio.US$ Maschinen und elektrische Apparate
  • 81,1 Mio. US$ Schuhe und ähnliche Erzeugnisse
  • 80,2 Mio. US$ Gußeisen, Eisen und Stahl
  • 78,3 Mio. US$ Maschinen und mechanische Instrumente
  • 74,8 Mio. US$ Möbel
  • 66,8 Mio. US$ Holz und Holzkohle
  • 50,2 Mio. US$ Textilerzeugnisse
  • 49,9 Mio. US$ Fe - Gußteile
  • 43,5 Mio. US$ Aluminium und Alu-Erzeugnisse
  • 34,2 Mio. US$ Autos
  • 194,9 Mio. US$ sonstige Erzeugnisse
Besorgniserregend muß für Brasilien sein, daß nur 30,2 % der Produkte mit einem Exportrückgang von insgesamt 1,06 Mrd. US$ kaum Technologie enthalten, 26,3 % aber Hochtechnologieprodukte waren. 

21 Oktober 2007

Devisenreserven und Investmentfond

Brasiliens Zentralbank kauft wieder US-Dollar, in drei Arbeitstagen wuchsen deshalb die Devisenreserven um 1,8 Mrd. US$. Erst bei 180 Mrd. US$ will man aufhören, die Reserven weiter zu vergrößern, dazu fehlen nur noch 16 Mrd. US$, die man wahrscheinlich bis Mitte Dezember „im Sack“ hat. Hoffentlich fällt dann der Dollar ohne Intervention der Zentralbank nicht ins Bodenlose. Aber Minister Mantega beruhigt bereits die Gemüter, die Käufe gehen weiter, aber nicht zur Erhöhung der Devisenreserven (bzw. zur Erhöhung des Dollarkurses), sondern zur Bildung eines Investmentfonds (FUNDO SOBERANO DO BRASIL).

16 Oktober 2007

Unorthodoxe Kostenvermeidungsmethoden sind teuer

Der US-Konzern Cisco Systems steht unter dem Verdacht, seit 2002 die hohen Importkosten Brasiliens durch Unterfakturierung und Steuerhinterziehung reduziert zu haben. Vierzig Personen sind verhaftet worden, der Wert der Imporware soll 500 Mio.US$ betragen und die nachzuzahlenden Steuern plus Strafen und Zinsen sollen bis 1,5 Mrd. R$ betragen. Das sind Größenordnungen, die der Mittelstand sich als Umsatz erträumt.

15 Oktober 2007

Warum brasilianische Exporteure ihre Europreise erhöhen müssen

Von den Dollarpreisen ganz zu schweigen, denn der Real wurde ihm gegenüber in den letzten fünf Jahren um fast 100 % aufgewertet. Aber sprechen wir vom Euro:
  • Dieser in den letzten 5 Jahren eine Tauchfahrt von 3,90 R$ auf jetzt unter 2,55 R$ gemacht
  • Wenn der Exporteur seine Preise in Real trotz Inflation konstant hielt, bekommt er heute für 50.000 € Warenwert nur 127.500 R$; nur, weil es vor fünf Jahren noch 195.000 R$ gewesen wären
  • Der Exporteur hat also eine Einbuße von 67.500 R$ zu verzeichnen, die sich natürlich in seiner Gewinn- und Verlustrechnung stark bemerkbar macht, denn er zahlt seine Ausgaben in R$, nicht in €
  • Um in R$ keine Einbuße zu erleiden, müßte er also seine €-Preise anheben, in unserem Beispiel von 50.000 € auf 76.471 €, das sind rund 53 % Erhöhung
  • Welcher Einkäufer in Deutschland glaubt ihm jetzt, daß er bei dieser Erhöhung keinen R$ mehr in der Tasche hat als vor fünf  Jahren bei dem niedrigeren Preis? Das 53 % Preiserhöhung nur der Werterhaltung dienen? Und noch nicht einmal einen Inflationsausgleich beinhalten?
Wenn Sie sich jetzt diesen Kursverlauf ansehen, erkennen Sie, daß man gar nicht 5 Jahre zurückgehen muß, denn der wesentliche Kursverlust fand 2005 statt, also in nur einem Jahr!

Was dem einen "sin Uhl" ist dem anderen "sin Nachtigall", d.h. der deutsche Exporteur kann sich natürlich genauso freuen, wie der brasilianische sich ärgern muß. Übrigens gelten diese Ausführungen natürlich auch für den Export von Dienstleistungen von Brasilien nach Euroland, für den Fall, daß sich jemand über unsere Honorare wundert (die noch nicht angepaßt wurden).

14 Oktober 2007

Spanier laufen Deutschen in Brasilien den Rang ab

Wenn ThyssenKrupp kein neues Stahlwerk im Bundesstaat Rio de Janeiro bauen würde, sähe die Situation noch finsterer aus, denn spanische Unternehmen haben inzwischen in den letzten zehn Jahren in Brasilien 33 Milliarden US$ investiert:

  • OHL und ACCIONA haben letzten Dienstag die Konzession von sechs Bundesstraßen mit insgesamt 2.278 km ersteigert, angeboten waren sieben mit 2.600 km. OHL hatte bereits vorher die Konzession für vier Bundesstraßen und ist damit nach der Straßenlänge mit insgesamt 3.225 km Marktführer. 
  • Santander hatte 2000 die Landesbank von São Paulo, Banespa, gekauft. Letzten Mittwoch kam über ein Konsortium noch die ABN Amro dazu, damit ist Santander nach Banco do Brasil und Bradesco jetzt die drittgrößte Bank in Brasilien.
  • Im Dezember 2006 hatten ABENGOA und ISOLUX vier von sechs angebotenen Hochspannungsleitungen gekauft.
  • Schon 1998 hatte die TELEFÓNICA die Telesp gekauft, die heute bei den stationären Telefonen mit 12,2 Millionen Apparaten den Rang 2 einnimmt. Bei den Mobiltelefonen ist die Firma Teilhaberin des größten brasilianischen Anbieters Vivo.

13 Oktober 2007

Kursentwicklung von Dollar und Euro zum Real


EURO - REAL während der letzten 5 Jahre

DOLLAR - REAL während der letzten 5 Jahre



EURO - REAL während der letzten 12 Monate


DOLLAR - REAL während der letzten 12 Monate


Exporteure sollten in die Überschrift klicken und die Gunst der Stunde nutzen!

12 Oktober 2007

Investitionsrekord

59 Milliarden US$ als Investition in fünf Jahren, das ist die Summe, die Vale do Rio Doce ankündigte. Das ist der höchste Investitionsplan einer privaten Firma, den es je in Brasilien gegeben hat! Alleine 2008 sollen 11 Milliarden US$ investiert werden. Hier einige weitere Investitionszahlen für 2008:
  • 3,6 Mrd. US$ im NE - Erzbereich
  • 3,2 Mrd. US$ im Eisenerzbereich
  • 1,8 Mrd. US$ für Logistik
  • 0,755 Mrd. US$ im Aluminiumbereich
  • 0,470 Mrd. US$ für Erzeugung von Elektroenergie

Firmenpool Brasilien, Wechselkurs und Marktchancen in Brasilien

Die Mühlen des Mittelstandes mahlen manchmal sehr langsam, aber hoffentlich fein. Ich bin mindestens viermal im Jahr in Deutschland, um für eine Firmenpoolmitgliedschaft zu werben. Da ich kein Waschmittel verkaufe, versuche ich immer im Vorfeld die an Brasilien interessierten Firmen kostenlos (!) zu beraten und zwar mit Hilfe einer realistischen Markteinschätzung und Angabe von Erfahrungswerten zum Aufwand, den brasilianischen Markt erfolgreich zu bedienen. Dabei verstecke ich nie die Probleme, die in Brasilien auf den deutschen Unternehmer warten. Ist das vielleicht der Grund, warum Firmen sich erst zwei bis drei Jahre nach einem (und oft einem zweiten und dritten) Beratungsgespräch wieder melden, um Poolmitglied zu werden?

Wenn eine Firma sich dann endlich entschieden hat, geschieht dies manchmal nur halbherzig, was ich daran merke, daß kein Firmenmitarbeiter, egal welcher Ebene, während der Mitgliedschaft Brasilien besucht. Dann ist der Poolbeitrag, der an die Trägerorganisation IHK Essen gezahlt wird, eigentlich verschwendetes Geld. Wer Erfolg haben will, muß Brasilien besuchen und hier durch uns vorbereitete Gespräche mit Geschäftspartnern, seien es Kunden oder Vertriebsmittler, führen, um Aufträge zu erhalten. Daß das funktioniert, zeigt das Beispiel eines Besuchers, der gestern wieder abflog. Es war sein zweiter Besuch und der Erfolg zeigt sich in einem Umsatz für Maschinenbaukomponenten in Höhe von 300.000 € in diesem Jahr. Dafür muß man eben mal in vier Tagen 800 km mit mir mit dem Auto fahren und einen Firmenbesuch per Flugzeug machen, um bei neun Firmen vorzusprechen. Was nicht schlecht ist, wenn man bedenkt, daß wir gestern wegen des heutigen Feiertages in São Paulo 220 km Stau auf den Hauptverkehrsadern hatten.

Was ich auch immer feststelle, ist die Zugeknöpftheit des Mittelstandes, wenn es um Beschaffung von Informationen geht. Diese sind meist nicht öffentlich zugänglich und trotzdem wollen die wenigsten Firmen dafür bezahlen. Dabei sind diese niedrigen Kosten schnell wieder hereingespielt, wenn man wegen der guten Marktkenntnis erfolgreich ist. 

Im Augenblick haben Firmen, deren Produkte die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Industrie stärken, große Chancen. Der Dollar lag gestern kurzzeitig bei 1,789 R$ (der niedrigste Wert seit dem 31.7.2000!) und schloß dann mit 1,806 R$. Das erleichert den Export deutscher Maschinenbauprodukte, mit denen die hiesige Produktivität so gesteigert werden kann, daß Brasilien weiter exportfähig bleibt und die einheimische Industrie nicht weiter Markt an den Import verliert. Gestern war ich bei einer brasilianischen Firma ca. 550 km von São Paulo entfernt, die mit WMW - Werkzeugmaschinen arbeitet! Wer diese Firma nicht kennt, es handelt sich bei dem Hersteller um einen VEB, also für die Jüngeren, um einen volkseigenen Betrieb der DDR, der die Maschine vor 45 Jahren lieferte!

Wer jetzt nicht versucht, nach Brasilien zu kommen oder zu verkaufen, wird es wahrscheinlich nie machen. Die augenblickliche Wechselkursentwicklung ist so günstig für den deutschen Exporteur, daß er agieren sollte. Zum Jahresende wird 1 US$ = 1,75 R$ erwartet und am Ende des ersten Vierteljahres 2008 sehen seriöse Analytiker den Kurs bei 1,70 R$. Brasilien ist die zehntgrößte Volkswirtschaft dieser Welt, ist das fünftgrößte Land der Erde, unheimlich reich an natürlichen Ressourcen und die 190 Millionen Brasilianer transformieren sich zunehmend in Konsumenten, worauf warten die Exporteure??? Wie sagte gestern der Eigentümer der von mir besuchten Firma meinem deutschen Besucher? Brasilien ist reich, die Wirtschaft floriert trotz aller bürokratischen Hürden, es gibt mehr als genug Geschäftsmöglichkeiten. Aber der Ausländer, der in Brasilien Geschäfte machen will, sollte sich wegen der Probleme mit einem einheimischen Partner zusammentun, der Land, Leute und Geschäftsusancen kennt. Das kann ich nur unterstreichen, aber mit dem Zusatz, sich diesen brasilianischen Partner sehr sorgfältig auszusuchen. 

Und wer Maschinen exportiert, sollte an die für hiesige Verhältnisse sehr günstigen Finanzierungsangebote z.B. der WestLB oder LBBW denken!  Selbst wenn der brasilianische Kunde nicht flüssig ist, gibt es Wege, ihm den Kauf einer Maschine ohne Nachteile oder Risiken für den Exporteur zu ermöglichen!

PS: Wenn Sie mehr über den Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen wissen wollen, klicken Sie bitte in die Überschrift!