30 März 2007

R$ - Kurs gegenüber US$ und €

Am 29. März 2007 rutschte der US - Dollar auf seinen niedrigsten Wert gegenüber dem Real in sechs Jahren, nämlich 1 US$ = 2,044 R$. Die Zentralbank interveniert zwar und hat deshalb schon 107 Mrd. US$ Devisenreserven angehäuft, aber wie die Bayern sagen: "Genutzt hats enen niachts". Die echten Bayern mögen einem Berliner, der mal in Schweinfurt, wo man fränkisch spricht, gewohnt hat, diesen Versuch, bayerisch zu schreiben, nachsehen.

Im Zuge dieser Entwicklung stellte das Länderrisiko Brasiliens ebenfalls den bisherigen Rekord ein und sank auf nie gesehene 169 Punkte. Zusammen mit der neuen Methologie der BIP-Messung, die für gute Wachstumswerte sorgte bzw. offensichtlich unzutreffende Werte korrigierte, kann man nur Positives denken, wenn man nicht gerade brasilianischer Exporteur ist.

Die folgenden Kursgraphiken zeigen noch nicht die ganz neuen Werte:







28 März 2007

BIP Brasiliens von 2006 bekanntgegeben

Die Umstellung auf die neue Berechnungsmethode hat sich für Brasiliens Regierung gelohnt, danach hat Brasilien erstmalig die 1 Billion US$ - Schwelle überschritten. Anstelle wie vorher nach der alten Methode ermittelt, um 2,9 % zu wachsen, schaffte es das BIP nach der neuen Methode 3,7 % gegenüber dem Vorjahreswert zuzulegen und 2,322 Billionen R$ zu erreichen. Und das sind bei einem Kurs von aktuell 2,07 R$ = 1 US$ stolze 1,122 Billionen US$. Das paßt zu der Meldung, daß Millionen von Brasilianern zur Mittelklasse aufgestiegen sind, Details dazu schreibe ich aus Zeitmangel später.

23 März 2007

Brasiliens Wirtschaft hebt ab!

Diese Hubschrauberplattform gehört bezeichnender Weise einer Bank, aber das nur nebenbei. Das Foto nahm ich aus dem Fenster eines Büros auf, in dem ich gerade mit einem deutschen Lieferanten des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerkes bespreche, wie wir ihm beim Aufbau einer Firma mit Fabrik in Rio helfen können, denn ThyssenKrupp betreibt wie die Autoindustrie eine follow source - Politik. Aber das Abheben ist durchaus übertragen und wörtlich gemeint, denn gestern wurden die neuen BIP-Werte der vergangenen Jahre veröffentlicht, obwohl diese ja eigentlich schon bekannt waren. Aber da Brasilien alle 5 bis 10 Jahre die Kriterien zur Ermittlung des BIP ändert - durchaus aus vernünftigen Gründen - gibt es jetzt neue Werte. Die Änderung war laut Regierung nötig, weil die Struktur der Wirtschaft sich geändert hat, man Zahlen der Volkszählung von 2000 und nicht mehr von 1985 verwenden will und die Zusammensetzung des BIP nach Herkunft jetzt wirklich ermittelt und nicht mehr nur geschätzt wird. Die Opposition ist allerdings der Ansicht, daß die Änderung gemacht wurde, um das Image von Präsident Lula aufzupolieren, dessen Regierung ja wohl einige Wachstumsdefizite aufweist. Aber lassen wir die Zahlen für sich sprechen (Werte von 2006 werden erst nächste Woche publiziert):

BIP in Mrd. US$ von 2005
1. USA 12.486
2. Japan 4.571
3. Deutschland 2.797
4. China 2.225
5. Großbritannien 2.201
6. Frankreich 2.106
7. Italien 1.766
8. Kanada 1.130
9. Spanien 1.1.27
10. Brasilien 882
11. Südkorea 793
12. Indien 775
13. Mexiko 768
14. Rußland 766
15. Australien 708

Damit hat sich Brasilien gegenüber den alten Zahlen um eine Position verbessert.

BIP-Wachstum Brasiliens in %
2000: 4,4
2001: 1,3
2002: 2,7
2003: 1,1
2004: 5,7
2005: 2,9

Der Investitionsanteil in % vom BIP hatte sich parallel in Brasilien so entwickelt:
2000: 16,8
2001: 17,0
2002: 16,4
2003: 15,3
2004: 16,1
2005: 16,3

Das sind niedrige Werte, aber die Zahlen des BIP-Wachstums und des Investitionsanteil für 2004 deuten auf einen starken Produktivitätsanstieg hin, was ja auch nicht schlecht ist.

Investitionen in % vom BIP
1. China: 40,6
2. Indien: 27,4
3. Thailand: 27,4
4. Südkorea: 22,9
5. Mexiko: 22,0
6. Chile: 21,0
7. Rußland: 20,8
8. Kanada: 20,7
9. Südafrika: 18,3
10. Argentinien: 18,0
11.Brasilien: 16,3
12. USA: 15,1

Der Wert für Brasilien sollte bei 25 % liegen, aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Einige brasilianische Kennwerte für 2005 (in Klammer die alten Werte)
BIP: 2,148 (1,938) Billionen R$
Prokopfeinkommen: 11.662 (10.520) R$
Staatsverschuldung: 46,4 (51.5) % vom BIP
Steuerlast: 33,7 (37,4) % vom BIP
Investitionen: 16,8 (19,3) % vom BIP

Nur bei der letzten Position verschlechtert sich durch die neue Methodik ein Wert, das findet die Opposition verdächtig. Der Grund ist die zurückgehende Bedeutung der Bauindustrie.

Das BIP setzt sich so zusammen (in Klammern alte Werte):
Industrie: 30,3 (37,9) %
Dienstleistung: 64,0 (54,1) %
Landwirtschaft: 5,6 (8,0) %

Also nicht gerade die typische Entwicklungslandstruktur!

18 März 2007

Kann der Staat Wachstum garantieren?

Alexandre Marinis meint nein und weist dies durch eine Studie nach. Danach stieg der Anteil der öffentlichen Ausgaben in % des BIP, gemessen jeweils am Ende der Regierungszeit, in Brasilien stetig:

1984 Präsident Figueiredo 7,7 %
1988 Präsident Sarney 19,1 %
1994 Präsident Collor / Präsident Itamar 20,1 %
1998 Präsident Cardoso 21,8 %
2002 Präsident Cardoso 25,2 %
2006 Präsident Lula 30,2 %

Insgesamt hat Marinis die Werte von 215 Ländern von 1971 bis 2005 analysiert und fand heraus, daß der Mittelwert des BIP - Wachstums 4,7 % für die Länder betrug, deren Regierungen bis zu 10 % des BIP ausgaben. Die Länder, die 30 % ausgaben, wuchsen dagegen im Mittel nur um 2,4 %.

Den langen Marsch deutscher Linker durch die Institutionen...

...hat sich Hugo Chávez wohl als Vorbild genommen und angekündigt, daß er das Erziehungswesen des von ihm regierten Landes dazu benutzen wird, den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zu verbreiten. Als ersten Schritt hat er einen Rat zur Verbreitung des Sozialismus an den Schulen geschaffen und droht jetzt mit der Verstaatlichung einer Universität.

Brasiliens Lula ist wohl noch nicht so weit, denn sein gerade vorgestellter Erziehungsentwicklungsplan fand sogar berechtigterweise den Beifall der Opposition. Bis 2010 sollen für den PDE - Plano de Desenvolvimento da Educação 8 Mrd. R$ bereitgestellt werden. Fragt sich jetzt nur noch, ob dieses Geld auch ausgegeben wird und wenn ja, wofür. Aber es hat den Anschein, als ob Brasilien weder dem Weg Chávez noch dem Morales folgen wird, ein weiteres Indiz dafür, daß der brasilianische Präsident vor allem ein Verballinker ist, der sein pragmatisches Denken erfolgreich verbirgt und für den Ideologie nur ein Mittel ist, an der Macht zu bleiben.

Dazu paßt der von Lula begrüßte Plan seines Kommunikationsministers, ein Regierungsfernsehen zu schaffen, was sehr nach dem Wunsch einer Perpetuierung der augenblicklichen Machtverhältnisse aussieht. Brasilien sollte sich vielleicht wenigstens hier ein Beispiel an den USA nehmen, die zwar die "Stimme Amerikas" weltweit ertönen lassen, aber nicht im eigenen Lande, weil dies wohlweislich gesetzlich verboten ist.

Wenn Sie mehr über den Einfluß des Sozialismus in Lateinamerika auf das Geschäftsleben wissen wollen, klicken Sie in die Überschrift, die mit meinem Vortrag "Brasilien und Lateinamerika: Wachstumsmärkte trotz sozialistischer Rahmenbedingungen?" verlinkt ist, den ich am 24. April in der Schweiz auf der Internationalen ZfU - Tagung über Zukunfts- und Wachstumsmärkte halten werde. Anmelden können Sie sich zu dem zweitägigen Seminar bei www.zfu.ch/weiterbildung/seminare/zuwt.htm. Am zweiten Tag spreche ich über "Brasilien: Investitionen planen und erfolgreich umsetzen".

16 März 2007

Warum Ankündigungen der brasilianischen Regierung mit Vorsicht zu genießen sind

Wenn in Brasilien Gesetzesvorhaben angekündigt werden, wird anschließend die Reaktion der Bevölkerung beobachtet und je nach gefühlter Akzeptanz der Gesetzesentwurf tatsächlich eingebracht oder stillschweigend unter den Tisch gekehrt. Neuestes, noch nicht entschiedenes Beispiel ist der Vorschlag, ein landesweites Regierungsfernsehen einzurichten, um noch besser Propaganda machen zu können, um keine stärkeren Worte zu gebrauchen.

Ein anderer Grund, regierungsseitige Ankündigungen nicht zu ernst zu nehmen und vor allem bei öffentlich genannten Investitionssummen nicht euphorisch zu reagieren, ist die Tatsache, daß die Regierung Lula durchaus Pläne hat, sogar ein Budget für diese vorsieht, aber es an der Umsetzung hapern läßt. So haben wir im Augenblick eine Denguefieberwelle, die in eine Epedimie ausarten kann, aber von den 64,2 Mio. R$, die 2007 für die Bekämpfung von Malaria und Dengue regierungseitig vorgesehen sind, wurden bis dato erst 3 (drei) % ausgegeben. Dabei ist die Situation ernst, alleine im Bundesstaat Mato Grosso do Sul wurden in diesem Jahr schon 35.000 Denguekranke registriert.

15 März 2007

Brasilien bei Verkäufen von Desktop-PCs an dritter Stelle hinter den USA und China

2006 wurden in Brasilien 6 Millionen Desktopcomputer verkauft, wie die Zeitschrift PC WORLD mitteilte. Die Daten wurden von der Marktforschungsfirma IDC erhoben. Also wenigstens eine Disziplin, wo zwei BRIC-Staaten, nämlich Rußland und Indien, von Brasilien überholt wurden. Wobei beachtet werden sollte, daß der Anteil von Laptops immer stärker steigt und irgendwann vielleicht sogar die Desktopcomputer an den Rand drängt.

Der gemeldete Computerverkauf hätte übrigens im Brasilien der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wegen des damaligen Informatikgesetzes, welches die Beschäftigung mit Digitalelektronik Firmen vorbehielt, die von brasilianischem Kapital kontrolliert werden, nicht realisiert werden können. Ein Hoch auf die Öffnung des Marktes und die Globalisierung!