29 April 2007

Von nun an gehts bergauf?


So hat sich der Kurs Euro - Real in den letzten drei Monaten entwickelt, wobei man beachten sollte, daß der Euro zur Zeit Rekordwerte gegenüber dem Dollar aufweist, wobei letzterer sich nach Meinung vieler Analysten schnell wieder erholen wird.

20 April 2007

Firmenkauf in Brasilien

ist wie überall auf der Welt Vertrauenssache und bedingt oft neben einer „normalen“ due diligence auch eine tiefgehende Analyse im Personalbereich. Wer eine Firma kauft, muß sich neben der Wertermittlung auch mit der Frage befassen, auf wen in der Firma er sich verlassen kann und von wem er sich besser trennen sollte.

Aber zuerst einige Überlegungen zur Wertermittlung. Die gebräuchlichen Methoden sind nicht immer anwendbar, auch wenn vieles in den letzten Jahren durch die niedrige Inflation - zur Zeit ca. 3 % im Jahr - und die Stabilität des R$ dabei einfacher geworden ist. Als wir die ersten Firmenwertermittlungen 1988 in Brasilien durchführten, waren z.B. Umrechnungen der Bilanz- und GuV - Werte mit Jahresend- bzw. Mittelkursen nicht möglich, weil sie wegen der Inflation zu völlig falschen Werten führten. Diese Zeiten sind vorüber, aber immer noch verkaufen viele Firmen ihre Waren ohne Rechnung oder kaufen ohne Rechnung ein, um der hohen Steuerbelastung zu entfliehen. Die offizielle Buchhaltung alleine spiegelt in diesen Fällen nicht die Wahrheit wider, sie muß durch eine inoffizielle Buchhaltung ergänzt werden, die die „schwarze Kasse“ der Firma berücksichtigt.

Wir raten in diesen Fällen unseren Kunden dringend vom Kauf einer solchen Firma ab, denn „schwarze Kassen“ sind auch in Brasilien gesetzeswidrig und selbst wenn der Käufer diese Praxis nicht fortführen will, hat er Schwierigkeiten zu erwarten. Denn mit Sicherheit werden die Kunden, die ohne Rechnung bei der Firma einkauften, abspringen, wenn aufgrund der korrekten Steuerabführung auf einmal die Preise höher werden. In einem konkreten Fall, der Übernahme einer Schmelzsicherungsfirma durch einen deutschen Konzern, kam es deshalb nicht zu einem Geschäftsabschluß.

Die Wertermittlung einer Firma stützt sich weitgehend auf die in Zukunft erzielbaren Gewinne, die z.T. aus der Vergangenheit abgeleitet werden. Da gerade kleine und mittlere Unternehmen aber ihre Gewinne nicht exakt ermitteln, um Buchhaltungsaufwand zu sparen, sondern mit einem “angenommen“ Gewinn arbeiten, der pauschal versteuert wird, fehlen oft die nötigen Daten für eine Gewinnprojektion.

Weitere Probleme können sich ergeben, wenn die Firma z.B. vom Einkommen der Arbeitnehmer deren Anteil an den Sozialversicherungsabgaben abzog, aber diese Abzüge nicht an die Sozialversicherung weiterleitete. Das ist zwar kein einfacher Regelverstoß, sondern ein Verbrechen, welches entsprechend strafrechtlich verfolgt wird - wenn es entdeckt wird! Und weil viele Arbeitgeber mit dieser Entdeckung nicht rechnen, kommen solche Fälle immer wieder vor.

Da in Brasilien, welches durchaus kein Niedriglohnland mehr ist, die Lohnnebenkosten ca. 100 % der Bruttobezüge betragen, beschäftigen viele Firmen Mitarbeiter, ohne diese ordnungsgemäß zu registrieren. Da gekündigte Mitarbeiter drei Jahre Zeit haben, ihren ehemaligen Arbeitgeber zu verklagen und solche Arbeitsgerichtsprozesse in der Regel auch gewinnen, hat der Firmenkäufer hier ein weiteres Risiko zu tragen, vor allem, wenn der Erwerber ein „reicher“ Ausländer ist. Hier wittert nämlich der ehemalige Mitarbeiter eine Chance, zu Geld zu kommen und Loyalität gegenüber dem neuen Eigentümer empfindet er dabei sicher nicht. Er läßt sich alleine von der Notwendigkeit leiten, zu Geld zu kommen. Diese Notwendigkeit ergibt sich dabei schon aus der einfachen Tatsache, daß es keine der deutschen vergleichbaren Arbeitslosenversicherung gibt.

An ihrer Stelle existiert eine achtprozentige Abgabe auf den Bruttolohn, die FGTS heißt, Fundo de Garantia por Tempo Servido oder Garantiefond für Beschäftigungsdauer. Das besondere Problem liegt darin, daß bei nicht fristloser Kündigung durch den Arbeitgeber der Arbeitnehmer Zugang zu diesem Geld hat, bei eigener Kündigung bleibt es auf seinem Konto bei der Caixa Econômica Federal, der Bundessparkasse, liegen. Wenn der neue Eigentümer die Notwendigkeit zum Personalabbau sieht, muß er bei einer Entlassung z.Z. 50 % Strafe auf den auf diesem Konto liegenden Betrag zahlen, den der Entlassene zuzüglich zum Wert des Garantiefonds erhält. Das Problem liegt darin, daß diese Strafe nicht nur die Gelder berücksichtigt, die im Rahmen des gekündigten Beschäftigungsverhältnisse deponiert wurden, sondern alle angesammelten und noch nicht ausgezahlten Beträge aus früheren Arbeitsverhältnissen in die Berechnung der Strafe einbezieht. Das kann im Einzelfall sehr teuer werden, solche Risiken müssen also unbedingt bei einer due diligence berücksichtigt werden.

Bei der Beurteilung der Führungskräfte zur Entscheidung über deren Verbleib in der Firma ist der Firmenkäufer auf seinen persönlichen Eindruck angewiesen, Zeugnisse sind in Brasilien völlig unbekannt.

Also Vorsicht beim Firmenkauf, landeskundliche Spezialisten sollten die Firma vor der Übernahme gründlich durchleuchten, damit der Käufer vor Überraschungen sicher ist. Aber diese Schwierigkeiten sollten den Käufer auch nicht abschrecken, es gibt genügend Beispiele für erfolgreiche Übernahmen. Wie wichtig dabei die Persönlichkeit des Käufers ist, zeigen Beispiele aus unserer Praxis, wo Brasilianer ausländische hochverschuldete Firmen kauften und diese in wenigen Monaten ohne zusätzliche Investition nachhaltig sanierten. Ihr Geheimnis - exzellente Personalführung und Motivation ohne Verängstigung oder Verunsicherung der Mitarbeiter. Es gibt aber auch Beispiele, in denen der Verkäufer nach der Übergabe ein Konkurrenzunternehmen aufzog und die besten Leute seiner ehemaligen Firma mitnahm. Wer sich in Brasilien engagieren will, sollte sich daher sehr gründlich mit dem Umfeld seiner neuen Firma vor dem Kauf vertraut machen. Brasilien ist anders!

15 April 2007

Können zuviele Gesetze aus einem Rechtsstaat einen Unrechtsstaat machen?

Vielleicht nicht gleich Unrecht, aber zumindestens einen ungerechten und unbeweglichen Staat. Brasilien wird von 181.318 Gesetzen, Verordnungen und ähnlichen Rechtsvorschriften mehr geknebelt als geführt. Nur 53.000 dieser 181.318 Gesetze werden tatsächlich angewandt, aber es gibt z.B. ein heute noch gültiges Gesetz, welches brasilianischen Diplomaten vorschreibt, ihre Heirat mit einer Ausländerin vom Außenminister genehmigen zu lassen. Und wenn ein Diplomat seinen brasilianischen Lebensgefährten ehelichen will? Oder eine Diplomatin - zur Zeit der Schaffung des Gesetzes wohl eine undenkbare Möglichkeit - einen Ausländer heiraten möchte? Es gibt ein anderes Gesetzt, von 1921, welches es Ausländern verbietet, brasilianischen Boden zu betreten, wenn sie verstümmelt, behindert, blind, verrückt, bettelarm oder ansteckend krank sind.

Man ist zwar bemüht, die unnützen, überholten, sich teilweise widersprechenden Gesetze für unwirksam zu erklären, aber alleine in der letzten Legislaturperiode kamen 14 Verfassungsergänzungen, 8 Komplementärgesetze, 762 normale Gesetze und 3.687 Dekrete hinzu. Was waren das für paradiesische Zeiten, als Moses die 10 Gebote verkündigte!

PS zum Unrechtsstaat: In den letzten 2 Jahren wurden in Brasilien mindestens 3 Frauen und 30 Männer für Verbrechen verurteilt, die sie nicht begangen hatten.

Brasilien noch zwei Stufen vom INVESTMENT GRADE entfernt



Aber ist das wirklich so wichtig? Brasilien hat am 4.4.07 US$ 500 MIo. aufgenommen und zahlt Zinsen wie Mexiko, welches bereits die Einstufung als "investment grade" erreicht. Offensichtlich orientiert sich der Finanzmarkt mehr am Länderrisiko als an den Einstufungen der Ratinggesellschaften.

Dazu kommt der Wechselkurs; wenn aufgrund eines besseren Ratings noch mehr US$ ins Land fließen, weil dann viele Fonds hier investieren können, deren Statuten die A - Einstufung eines Landes, in dem Geld angelegt werden soll, voraussetzt, wird der R$ noch stärker und unser Export leidet und die Industrieproduktion geht aufgrund steigender Importe zurück, das macht Leute arbeitslos, die von der Regierung unterstützt werden müssen, dazu werden Steuern erhöht, was die Leistungsfähigkeit der Industrie reduziert und die Kaufkraft der Bürger schmälert usw. ... eine sich selbstverstärkende Tendenz mit gefährlichen Folgen.

12 April 2007

Straßenszenen aus São Paulo



Wenn ein weißer Schimmel eine Tautologie ist, was ist dann ein Reifen mit eindeutigem Doppelnamen? Zwar doppelt gemoppelt, aber auf jeden Fall hält zweifach genäht besser! Und Pneutyres braucht man auch nicht zu übersetzen, gut für Export geeignet.



Früher waren es Straßenköter, die im Müll wühlten, deshalb wurden die Müllsäcke auf Pfosten deponiert, aber was nutzt dies, wenn die Pferde die Hunde abgelöst haben?

09 April 2007

Brasilienrisiko auf historischem Tiefstand, und jetzt...?

Am 9. April 2007 lag das Länderrisiko Brasilien kurzzeitig bei 154 Punkten und stieg dann wieder, aber nur um einen Punkt. Am 29. September 2002, als Lula noch ein Schreckgespenst für ausländische Investoren war, erreichte es den bisherigen Höchstwert, 2.436 Punkte. Was sollte jetzt in Verbindung mit dem starkem Real geschehen?

Die brasilianische Industrie sollte aufhören, zu jammern, obwohl sie Grund dazu hat, der Export wird immer schwieriger, die nach wie vor existierenden Zuwachsraten sind vielfach nur auf Grund von Preissteigerungen möglich, d.h. mengenmäßig gibt es Rückgänge. Und der Import beeinträchtigt auch die Industrie, die nicht exportiert, weil sie schon beginnt, einheimische Ware zu ersetzen und damit der Deindustrialisierung Brasiliens Vorschub verleiht. Aber bei der Regierung ist wenig zu holen, also ist Selbsthilfe angesagt.

Da die betroffenen Firmen vielfach von Unternehmern und nicht von angestellten Geschäftsführern geleitet werden, sollten sich diese auch als Unternehmer betätigen und nicht als Unterlasser. Denn es geht um ihre Firma. Und im Fall der angestellten Geschäftsführer geht es um ihren Posten, denn keine Firma - kein Gehalt, so einfach ist das. Für die Brasilianer heißt es also, so schnell wie möglich die verlorene Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen oder die bedrohte abzusichern. Dafür gibt es nur wenige vernünftige Möglichkeiten, eine ist die Erlangung eines Vorsprunges durch Innovation, sei es in der Organisation der Firma, sei es im Produkt- oder im Produktionsbereich, oder durch neue Köpfe. Durch bessere Mitarbeiter, Geschäftsmodelle, Abläufe, Materialien, Produkte oder Produktfunktionen und Fertigungsverfahren läßt sich der Wettbewerbsvorsprung erreichen und halten. Und dazu braucht man neue Technologien und oft auch Geld. Und wenn das Länderrisiko gering ist und die eigene Währung stark, sollte man eigentlich in der Lage sein, Technologie kaufen zu können. Und wenn die Mittel dazu nicht reichen, weil man bereits zuviel Geschäft an ausländische Wettbewerber verloren hat, muß sich eine ausländische Firma mit Geld und Technologie als Partner sichern.

Es gibt natürlich für die brasilianischen Firmen, die über Geld und Chefs mit Unternehmergeist und Unternehmungslust verfügen, noch einen ganz anderen Weg, nämlich Standorte ins Ausland zu verlagern oder sich an Firmen im Ausland zu beteiligen oder diese ganz zu übernehmen. Große Unternehmen wie Gerdau, um nur ein Beispiel zu nennen, machen dies seit Jahren und äußerst erfolgreich!

Und als ausländische Firma mit Geld und Technologie sollte man sich nicht darauf verlassen, daß man auf ewig nach Brasilien exportieren kann, denn oft macht man die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Regierung, die schon heute sehr reformunwillig ist und die Einfuhr durch extremen Bürokratismus erschwert. Also sollte man den Brasilianern und sich selbst helfen, in dem man Stützpunkte im Lande aufbaut. Und am besten mit einheimischen Partnern, die man möglichst mehrheitlich übernehmen sollte, um den Marktzugang und das Sagen zu haben. Und wenn man aus der Investitionsgüterbranche kommt oder Ingenieursdienstleistung verkauft, um so besser, verkaufen Sie Ihren brasilianischen Kunden die dringend benötigten Technologien oder Ideen für die angestrebte Innovation! Und falls möglich, finanzieren Sie den Kauf auch gleich!

Machen Sie Brasilien zum temporären Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit, es lohnt sich!
Wenn Sie Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, nehmen Sie Kontakt mit mir auf!

PS: Was sich nach unserer Erfahrung nicht lohnt, ist mit einem Konkurrenten zusammen nach Brasilien zu gehen. Wenn man auf dem heimischen Markt Konkurrent ist, ist man es auch in Brasilien. Und wenn der Konkurrent aus einem dritten Land kommt, muß man in Brasilien drei Nationalcharaktere unter einen Hut bringen, das hat schon bei der Autolatina nicht geklappt, wo Brasilianer, US-Amerikaner von Ford und Deutsche von VW miteinander auskommen mußten. Ford hatte damals Marktanteil verloren, VW und Ford haben sich gegenseitig in die Karten geguckt und am Ende kam es zur Scheidung. Will man solch' ein Modell, sollte man seine Firma an den Konkurrenten verkaufen, das ist sicherer, zumindestens für den dann ehemaligen Eigentümer.

07 April 2007

Fröhliche Ostern!

Das wünsche ich allen Bloglesern und das können sich viele Brasilianer auch wünschen, denn von Januar 2004 bis Februar 2007 konnten wir dank des starken Reals und der dadurch ermöglichten Importe, die auf die Preise drückten, bei einigen Produkten eine kräftige Deflation verzeichnen:

- 43 % DVD-Spieler
- 28 % Reis
- 27 % Fernsehapparate
- 24 % PCs
- 14 % Sojaöl
- 13 % Margarine
- 11 % Telefonapparate
- 8 % Seife
- 7 % Nudeln

Das bedeutet nicht notwendigerweise, daß wir jetzt nur noch importierte Ware kaufen, sondern in vielen Fällen auch, daß sich die einheimische Industrie der Konkurrenz gestellt hat und durch Rationalisierung etc. wettbewerbsfähig wurde und damit ihr Überleben sicherte. Es gibt natürlich auch Fälle, wo z.B. wie bei der Spielzeugindustrie viele einheimische Produkte durch importierte ersetzt wurden, wobei der Import von der Industrie selbst durchgeführt wird. Und das heißt natürlich auch, daß man sich hier die "holländische Krankheit" geholt hat, was bedeutet, daß die Fabrikation zugunsten des Handels mit Importware zurückgefahren oder eingestellt wurde. Vielleicht nach dem Motto: "Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein"? Denn eine Firma fit für den globalen Wettbewerb zu machen, besonders, wenn es u.a. auch gegen chinesische Konkurrenten geht, und wenn die eigene Regierung einen nur Knüppel zwischen die Beine wirft, ist anstrengender als Händler zu werden.

Es gibt natürlich Grenzen für die "Fitwerdung", vor allem, wenn unlauterer Wettbewerb im Spiel ist, dann kann manchmal eine Industrie nicht mithalten und verschwindet. Oder, wie im Fall der brasilianischen Textilindustrie, rafft selbst eine Regierung Lula sich doch zu Maßnahmen auf, um den Konkurs eines ganzen Sektors zu vermeiden.

02 April 2007

Kann man unter einer linken Regierung in Brasilien Gewinne machen?

Und wie! Economática listet die 20 lukrativsten Firmen Lateinamerikas mit offenem Kapital auf, 11 davon sind brasilianisch:

Petrobras (BRA, Erdöl): US$ 12,123 Milliarden
Companhia Vale do Rio Doce (BRA, Bergbau): US$ 6,282 Milliarden
América Móvil (MEX, Telekommunikation.): US$ 4,015 Milliarden
Banco do Brasil (BRA, Bank): US$ 2,827 Milliarden
Teléfonos de México (MEX, Telekommunikation.): US$ 2,639 Milliarden
Cemex S.A. (MEX, Stahl): US$ 2,375 Milliarden
Bradesco (BRA, Bank): US$ 2,364 Milliarden
Itaúsa (BRA), diversifizierte Holding: US$ 2,098 Milliarden
Tenaris S.A. (ARG, Stahl): US$ 2,059 Milliarden
Banco Itaú (BRA, Bank): US$ 2,015 Milliarden
Grupo México (MEX, Bergbau): US$ 1,528 Milliarden
YPF (ARG, Erdöl): US$ 1,442 Milliarden
Gerdau (BRA, Stahl): US$ 1,347 Milliarden
Telesp (BRA, Telekommunikation): US$ 1,317 Milliarden
AmBev (BRA, Brauerei): US$ 1,313 Milliarden
Southern Peru CC (PER, Bergbau): US$ 1,280 Milliarden
Usiminas (BRA, Stahl): US$ 1,177 Milliarden
Carso Global Teleco (MEX, Telekommunikation.): US$ 1,159 Milliarden
Wal-Mart do México (MEX, Einzelhandel): US$ 1,149 Milliarden
Arcelor Brasil (BRA, Stahl): US$ 1,061 Milliarden

01 April 2007

Céu de Brigadeiro oder Kaiserwetter...

.. anstelle der wörtlichen Übersetzung "Himmel des Luftwaffenkommandanten" herrscht im Augenblick nur meteorologisch über Brasilien, denn Lula ist nicht Helmut Kohl, der bei einem Streik der zivilen Flugkontrolleure diese entließ und durch Militärs ersetzte. Von Lula als ehemaligem Gewerkschaftsführer und Präsident nicht der Brasilianer sondern der Armen und Diskriminierten war dies nicht zu erwarten und folgerichtig wies er den Luftwaffenkommandaten von Camp Davis aus an, die befohlene Verhaftung der Meuterer zurückzunehmen und mit diesen zu verhandeln. Erstes Ergebnis, sie werden nicht bestraft und einer neuen zivilen Luftverkehrskontrollbehörde unterstellt, die wiederum dem Verteidigungsministerium angehören wird. Über tausend Flüge wurden durch die unverantwortliche Aktion der militärischen Flugkontrolleure verzögert oder gestrichen und hunderttausende Passagiere (= Wähler), auch im Ausland, beeinträchtigt. Die USA flogen z.B. Brasilien letzten Freitag einfach nicht mehr an. Dazu kommt der Schaden, der in den Grundpfeilern jeder Streitmacht der Welt angerichtet wurde, nämlich Befehlskette und Disziplin.

Alle Aktionen gegen den Luftverkehr begannen mit dem Zusammenstoß zweier Flugzeuge über brasilianischem Luftraum im letzten Jahr, wobei bei den Untersuchungen klar wurde, daß die Flugkontrolleure, die noch nicht einmal richtig Englisch verstanden und sprachen, einen erheblichen Schuldanteil haben. Die Vermutung liegt nahe, daß jetzt Verwirrung gestiftet wird, um dieser Verantwortung zu entkommen. Und wie durch die Chaostheorie erklärt, reichen wenige radikale Gewerkschaftler (beim Militär!!!), um das Chaos zu schaffen.

Unmittelbare, vom Pulikum nicht bemerkte Folge, ist, daß die großen internationalen Fluggesellschaften ihre Piloten angewiesen haben, die SLOP - Prozedur anzuwenden, was seit Mitte März geschieht. Slop heißt Strategic Lateral Offset Procedure und bedeutet, daß der Pilot links von der ihm zugewiesenen Route fliegt, um einen Zusammenprall mit einer entgegenkommenden Maschinen zu vermeiden, die von den Flugkontrolleuren dieselbe Route, nur in anderer Richtung, zugewiesen bekamen. Bisher war dieses Verfahren nur für den afrikanischen Luftraum üblich.

Nur des Interesses wegens, als der Vorgänger Lulas den US - amerikanischen Präsidenten in Camp Davis besuchte, wurde er von Lula scharf kritisiert. Aber das ist ja nicht das Gleiche, oder?