30 April 2017

Die dümmsten Bauern

haben vielleicht die größten Kartoffeln, aber sie wohnen sicher nicht in Brasilien, denn unseren Bauern sind schlau. Aber nicht bauernschlau, sondern richtig schlau!

Und woran merkt man das? Daran, dass sie nicht davon leben, dass sie Geld dafür bekommen, dass sie keine Milchkühe halten, sondern es damit verdienen, dass sie diese nicht nur halten, sondern auch die Milch und die daraus hergestellten Produkte gewinnbringend verkaufen. Und natürlich auch, weil sie äußerst erfolgreich Soja, Mais, Weizen, Reis und Bohnen anbauen und Brasilien und die Welt mit Schweine-, Hühner- und Rindfleisch versorgen.

Durch den Export unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist die Leistungsbilanz Brasiliens im März 2017 positiv gewesen, sie wies einen Saldo von 1,4 Mrd. US$ aus. Auch im April werden die Zahlen gut sein, weil die Bauern ihre Hausaufgaben gemacht haben und das seit vielen Jahren - während unsere Industriellen offensichtlich gewaltigen Bedarf an Nachhilfeunterricht haben.

Letzten Oktober hatte CONAB - Companhia Nacional de Abastecimento 212 Mio. t Ernteertrag für die Saison 2016/17 vorhergesagt; das wäre ein gutes Ergebnis gewesen, denn die Ernte davor betrug 186 Mio. t. Jetzt im April wurde allerdings die Prognose geändert, auf 228 Mio. t, also 16 Mio. t mehr als früher geschätzt. Möglich sind solche sich praktisch jedes Jahr wiederholende Rekordergebnisse durch die immensen Produktivitätssteigerungen unserer Landwirtschaft, möglich durch konsequente Anwendung von Forschungsergebnissen, die zum großen Teil in Brasilien selbst erzielt wurden und werden, und durch Einsatz modernster Technik. Als Beispiel diene der Sojaanbau. Die Sommerernte wurde auf 55 sacas pro Hektar geschätzt, 10% mehr als normal. Saca ist ein Gewichtsmaß und entspricht 60 kg. Durch verbessertes Saatgut, effiziente Schädlingsbekämpfung und gezielten Ressourceneinsatz erreichten einige Landwirte sogar 80 sacas pro Hektar; das meinte ich oben mit schlauen Bauern!

Schade, dass unsere Regierenden nicht so schlau sind und das Land logistisch gesehen verkommen lassen. Denn wem nützten Rekordernten, die weder sachgerecht gelagert noch schnell zum Verbraucher transportiert werden können? Wobei sich die Frage stellt, ob unsere Politiker schlau (diesmal allerdings bauernschlau) und unsere Wähler dumm sind. Und die weitere Frage ist, warum unsere Industrie nicht wie die Landwirtschaft auf Produktivitätssteigerungen setzt? Denn wir wissen ja, dass sich seit Jahrzehnten die Produktivität (1) unserer Industrie kaum verbessert hat.

Aber wir wissen auch, warum. Die brasilianische Industrie ist durch hohe Importbarrieren gegen Wettbewerb von außen und durch ungerechtfertigte Förderprogramme vor der Notwendigkeit, effizient zu sein, wirkungsvoll geschützt. Und die Regierung nutzt diese Förderprogramme nicht, der Industrie Wege vorzuschreiben, wie es z.B. durch Bedingungen wie die Energieeffizienz ihrer Produkte möglich wäre. Aber es gibt eben keine schlüssige Industriepolitik in Brasilien, noch nicht.

Ein schreiendes Beispiel für verfehlte Industriepolitik ist das Bemühen der ehemaligen PT-Regierung, Hochseeplattformen für die Öl- und Gasförderung aus extremen Tiefen in Brasilien bauen zu lassen. Bauen zu lassen durch Werften, die in Gegenden, wo nie jemand Schiffe gebaut hat und daher keine Fachkräfte vorhanden waren, angesiedelt wurden. Und diese dann noch von Baufirmen ohne jede industrielle Erfahrung managen zu lassen. Das Ergebnis ist der Bankrott der eigens geschaffenen Firma SETE BRASIL. deren Milliardenverluste dem Steuerzahler aufgehalst wurden. Aber wenigstens war diese Firma eine gute Gelegenheit für unehrliche Politiker, Gewerkschaftler, Lobbyisten und Wirtschaftsführer, Geld abzuzweigen. Pech für diese, dass Richter Moro sie erwischt hat.

Marcus Porcius Cato Censorius, genannt Cato der Ältere, hätte jetzt gesagt: "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Staatsfirmen Brasiliens ohne Ausnahme privatisiert werden sollten!" Aber wer hört heute noch auf Cato den Älteren?

Leider hört auch kaum einer auf den Übergangspräsidenten Michel Temer, der durchaus vernünftige und notwendige Reformen durchführen will, aber von verantwortungslosen sogenannten Volksvertretern und Interessengruppen hauptsächlich aus dem Öffentlichen Dienst, der Gewerkschafts- und der Landlosenbewegung, die ihre Privilegien mit Klauen und Zähnen verteidigen, behindert wird. Der "Generalstreik" vom 28.4.17 war ein Beispiel dafür. Aber auch ein Beispiel dafür, dass der Rückhalt in der Bevölkerung für solche Aktionen nicht mehr vorhanden ist und die genannten Gruppen nur durch Guerillataktiken Aufmerksamkeit auf sich lenken können. Denn meistens haben letzten Freitag nur kleine Gruppen durch Straßenbarrikaden, Brandstiftung und Zerstörung privaten und öffentlichen Eigentums einen großen Teil der Bevölkerung in den Ballungsgebieten daran gehindert, ungestört ihren Geschäften nachzugehen.

14,2 Millionen Arbeitslose gehörten nicht dazu, weil sie keine Geschäfte zu erledigen haben. Das ist eine schlechte Nachricht, denn kein Land kann sich eine Arbeitslosenquote von 13,7% leisten, die keine Anstalten macht, sich zu verringern.

Die gute Nachricht ist, dass sich die Inflation verringert und auf 4% im Jahr zusteuert. Die schlechte ist, dass allein im März das Defizit der Sozialversicherung 13,1 Mrd. R$ betrug, aber wenigstens zum Jahresende die selbst gesteckte Grenze von 139 Mrd. R$ nicht überschreiten wird. Aber das Geld, mit dem dieses Loch gestopft wird, fehlt bei den Investitionen (2). Das Staatsdefizit auf allen Ebenen, von den Gemeinden bis zum Bund, beträgt übrigens unverändert 2,3% vom BIP.

Bleibt zu hoffen, dass unsere Volksvertreter sich an das Staatswohl, welches Gemeinwohl ist, erinnern und es über das persönliche stellen und ihren fehlgeleiteten Korpsgeist aufgeben. Und dass die verarbeitende und die Prozessindustrie die Kurve kriegen, so wie es der Bergbau und die Landwirtschaft zur Zeit vormachen.

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(1)

(2)


Quelle: Mein Vortrag vom 29.3.2017 in der IHK Essen über Brasilien 2017 - Markteintritt, Marktentwicklung und Marktverteidigung in der Krise, den Sie hier aufrufen können: http://anyflip.com/fdsx/eivw/

28 April 2017

Die Hoffnung Brasiliens

sind sicher nicht diese Demonstranten, die gegen alles und jeden sind und am heutigen "Generalstreik" der Linken teilnehmen.


Wie man sieht, marschieren hier am Vormittag nur wenige Gesinnungsgenossen wie die sogenannten "Landlosen" und Mitglieder der Linksparteien und Gewerkschaften  die Av. Atlântica im Südteil São Paulos herunter, aber da dieser punktuelle Streik den öffentlichen Nahverkehr lahmgelegt hat, bleiben die Fahrtbahnen, Fabriken, Büros, Läden, Werkstätten etc. leer.

Was uns wohl diese netten Mitmenschen mit ihrem Marsch sagen wollen? Wahrscheinlich, dass sie froh sind, dass sie für ihre Teilnahme ein Brötchen mit Mortadella, eine Dose Guaraná  und ein Handgeld bekommen.



Das Ende des kurzen Umzuges. Wissen Sie, warum diese "Revolutionäre", von ihren brasilianischen Mitbürgern auch als Vagabunden und Arbeitsscheue bezeichnet, so ruhig laufen können? Weil sie am Ende des Marsches zwei Busse erwarten, die sie nach Hause bringen - im Gegensatz zu den Brasilianern, die heute nicht demonstrieren und keinen Bus haben, der auf sie wartet!

Wenn Sie Portugiesisch verstehen, dann hören Sie selbst die Ankündigung des Transportservices durch den Lautsprecherwagen:

video

Dass die Gewerkschaften zu diesem Streik aufrufen und sich die Streikenden selbst herankarren müssen, wundert nicht, bei 14,2 Millionen Arbeitslosen (13,7% Arbeitslosenquote) hat kein vernünftiger Mensch Lust, gegen seine eigenen Interessen zu verstoßen. Dabei haben sich die PTler das Datum gut ausgedacht, heute ist Freitag und wer streikt, kann wegen des 1. Mais insgesamt 4 Tage zuhause bleiben.

Wissen Sie wieviel Gewerkschaften es in Brasilien gibt? 16.500 Gewerkschaften sind hier offiziell registriert, in Deutschland sind es im wesentlichen 11 und in Großbritannien 168. Und wissen Sie, dass in Brasilien die Gewerkschaften den Gegenwert eines Tageslohnes aller Werktätigen Brasiliens pro Jahr erhalten, egal ob diese Gewerkschaftsmitglied sind oder nicht? Das waren 3,6 Mrd. R$ im letzten Jahr. Und über die Verwendung dieses Betrages müssen sie keine Rechenschaft ablegen, wegen einer Verfügung des damaligen Präsidenten Lula, dem ehemaligen Gewerkschaftsführer, der sich laut Aussage von Unternehmern von den Arbeitgebern dafür bezahlen ließ, dass er Streiks abkürzte. Und die Gewerkschaftsführer leben gut mit dieser Situation und wollen natürlich keine Änderung der Verhältnisse. In 2015 wurde ermittelt, dass 8.500 Gewerkschaftsführer bereits über 10 Jahre im Amt waren. Solch' sichere Arbeitsplätze wünschen sich die mehr als 14 Millionen Arbeitslosen auch. 

Übrigens reicht den Gewerkschaften die Zwangsabgabe der arbeitenden Bevölkerung nicht; bei Vergleichen in Arbeitskonflikten, die von den Gewerkschaften vermittelt wurden, behalten diese oft bis zu 30% der vereinbarten Abfindung ein. 

Aber 296 Abgeordnete haben vorgestern für eine Reform der Arbeitsgesetze, die 1943 beschlossen wurden und den Verhältnissen des Landes nicht mehr gerecht werden, gestimmt und 177 unverantwortliche "Volksvertreter" dagegen.  Wenn die Reform auch im Senat durchgeht, wird es Brasilien besser gehen. Ein Eckpunkt der Reform ist die Streichung der Zwangsabgabe, die häufig Gewerkschaftssteuer genannt wird, aber in Wirklichkeit keine Steuer ist. Dass dieser drohende Wegfall die Gewerkschaftsführer alarmiert, ist verständlich, aber aus Sicht der breiten Mehrarbeit sehr zu begrüßen. Übrigens streiken leider auch viele Lehrer, selbst von Privatschulen. Ich stelle mir vor, was diese "Leerer" ihren Schülern beibringen.  

Lesen Sie auch zum Vergleich mit deutschen Verhältnissen DAS ENDE DER GEWERKSCHAFTEN und WENIGER ALS JEDER FÜNFTE IST GEWERKSCHAFTER

25 April 2017

Brasilianischer Markt für Körper- und Schönheitspflege in stetigem Wachstum

Ein Gastbeitrag von Georg Zankl, Leiter des Eurolatinabüros Rio de Janeiro

Brasilianischer Markt für Körper- und Schönheitspflege in stetigem Wachstum
          Marktvolumen 2017: ca. 60 Mrd USD
Brasilien hat hübsche Frauen, die auf ihre Schönheit schauen. Das sieht man an einem entzückenden Lächeln auf der Strasse, in den vollen Schönheitssalons und in den Beauty-Abteilungen der großen und kleinen Geschäfte. Man sieht es in den Gesichtern, in den Augen, auf der Haut, an den Nägeln, den Haaren, dem Verhalten. Schönheit und Hygiene ist in Brasilien gefragt, bei Mann und Frau. Die brasilianische Frau ist stylisch und auf ihr Aussehen bedacht und gibt nicht wenig dafür aus - an Geld und Zeit. Auch die Männer leisten einen gewaltigen Beitrag um schön und gepflegt zu sein.
Wollen Sie an diesem Markt teilnehmen? Wir bringen Ihr Produkt strategisch geplant auf den Markt.
Überall am Markt findet man Produkte zur Schönheitspflege  und Hygiene. In Brasilien wird dieser Markt mit HPPC bezeichnet (higiene pessoal, perfumaria e cosméticos = Körperpflege, Parfümerie und Kosmetik). Er ist in stetigem Wachstum um die Schönheits- und Hygieneideale der Brasilianer zu erfüllen und birgt somit ein grosses Potential für Artikel dieser Art.
Nachstehend möchten wir die Entwicklung des HPPC-Marktes in Brasilien anhand von Zahlen und Trends erläutern und somit die Attraktion als Exporteur in einem wachsenden und interessanten Markt zu investieren, anschaulich darstellen.
Mit einem Umsatz (Endverbraucherpreis) von 42 Mrd. USD repräsentierte Brasilien 2012 im Sektor HPPC ca. 10% des Weltmarkts und entsprach dem drittgrößten Markt nach den USA und Japan.
Im 4-Jahreszeitraum bis 2012 wuchs der HPPC-Markt in Brasilien im Schnitt um mehr als 4% p.a. an, ca. das dreifache des globalen Wachstums.

Die nachstehende Graphik verdeutlicht diese Ziffern.
Abbildung: Umsatz der HPPC-Industrie in Brasilien und weltweit in Mrd. USD bis 2012 und Voraussicht bis 2017

Ein überdurchschnittlicher Zuwachs der Branche war bereits in den letzen 20 Jahren zu verzeichnen, eine positive Entwicklung, die auf folgende Faktoren zurückzuführen ist:

·       steigendes Pro-Kopf-Einkommen und Entstehung eines signifikanten, kaufkräftigen Binnen-markts
·       zunehmende Teilnahme der Frau am Arbeitsmarkt
·       stetig steigende Lebenserwartung, verbunden mit dem Wunsch nach Wahrung eines jugendlichen Aussehens

Der brasilianische Konsum im HPPC-Markt ist von Massenprodutkten geprägt und die gegenwärtige Entwicklung deutet darauf hin, dass dieser weiterhin stark wachsen wird, nicht jedoch der Premiummarkt. Stattdessen entwickeln sich zunehmend mehr differenzierte Massenprodukte, sogenannte Masstige (prestige for the masses), die überwiegend von nationalen Firmen vertrieben werden. Eine weitere Anpassung insbesondere auf spezifische Haut- und Haartypen, aufgrund der grossen genetischen Unterschiede der Bevölkerung, wird sich als absolut notwendig erweisen.

Innerhalb des HPPC-Markts werden die gängigsten Segmente nach wie vor Haar-, Parfum- und Hautprodukte sein, die knapp 50% des brasilianischen HPPC-Markts darstellen.
Abbildung: Umsatz der HPPC-Industrie in Brasilien und weltweit in Mrd. USD bis 2012 und Voraussicht bis 2017
 
Nachstehend folgen Brasiliens Top 10 Importländer der Branche. Unter diesen machen Frankreich, Deutschland und Spanien 20% aus. Der Importzuwachs von 2012 auf 2013 betrug ca. 16%.
Abbildung : Top 10 Importe nach Herkunft 2013 in Millionen USD, FOB
 

Anhand der Messe "FCE Cosmetique", welche vom 10. bis 12.Mai 2016 im Transamerica Expo Center in Sao Paulo zum Thema HPPC stattfand, kann man erkennen welchen Stellenwert der Markt der Körper- und Schönheitspflege in Brasilien einnimmt und wie wichtig dieses Thema für die Brasilianer ist. Weitere Informationen zur Messe finden Sie unter dem link http://10times.com/fce-cosmetique.


Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben in diesem Markt "mitzunaschen", stellen wir gerne weitere Informationen zu Verfügung und stehen Ihnen natürlich jederzeit beratend zur Seite.

Schlagzeilen der internationalen Ausgabe von VALOR ECONÔMICO von heute